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Predatory Publishing

Was versteht man unter "Predatory Publishing"?

Unter dem Begriff "Predatory Publishing" versteht man Geschäftspraktiken vorgeblicher Verlage, welche Fachartikel gegen Zahlung von Publikationsgebühren weitgehend ungeprüft in unseriösen Open-Access-Zeitschriften oder sogenannten "Fake Journals" veröffentlichen.

Die Angebote von Predatory Publishern werden meist unter dem Vorwand des Open-Access-Gedankens beworben und unterlaufen das Publikationssystem in Hinblick auf die Sicherung wissenschaftlicher Qualitätsstandards. So wird beispielsweise kein Qualitätssicherungsprozess (z.B. Peer Review) durchgeführt, oder es findet keine redaktionelle Bearbeitung des eingereichten Artikels statt.

Für Wissenschaftler/innen ist es nicht immer einfach, „echte“ Wissenschaft von „Fake-Science“ zu unterscheiden, da sich diese Betrugsmasche durch eine Reihe verschiedenartiger Charakteristika auszeichnet.

 

**Gegen den Predatory Publisher OMICS International Group läuft zur Zeit beispielsweise ein Gerichtsverfahren in den USA; gegen WASET (World Academy of Science, Engineering and Technology) gibt es aktuell Medienberichte über unseriöse Geschäftspraktiken im Rahmen von Predatory Publishing.**

 

Welche Methoden wenden Predatory Publisher an?

  • Publikation von Artikeln ohne oder mit wenig Qualitätskontrolle (Peer Review), einschließlich der Veröffentlichung von Artikeln mit sinnlosen Inhalten
  • keine Gebührentransparenz auf den Verlagswebseiten und anschließende Forderung von (meist hohen) Publikationsgebühren erst nach Einreichung des Beitrags  
  • Aggressives Werben um Autor/innen (u.a. E-Mail-Spam), um Artikel einzureichen oder als Editor/in zu fungieren  
  • Auflistung von Wissenschaftler/innen als Mitglieder von Redaktionsbeiräten ohne deren Zustimmung
  • Benennung nicht existierender Akademiker als peers oder in das editorial board
  • Nachahmung des Namens oder des Webseiten-Stils renommierter Zeitschriftenverlage
  • Irreführende Behauptungen über den Verlagsbetrieb auf den Webseiten, wie z.B. falsche Standortangaben oder ein fehlendes Impressum
  • Verwendung falscher ISSNs oder nicht vorhandener Einflussfaktoren (z.B. Impact Factor).

Wie erkenne ich Predatory Publisher?

Wenn Sie eine Open-Access-Zeitschrift auf ihre Seriosität überprüfen möchten, können Sie folgende Hilfsmittel zu Rate ziehen:

 

1. Überprüfen Sie, ob Sie die Zeitschrift im Web of Science oder dem DOAJ finden oder der Verlag in der OASPA-Liste seriöser Open-Access-Verlage bzw. als Mitglied bei COPE (Committee on Publication Ethics) erscheint:

  • Web of Science: Die Datenbank indexiert nur Journals, die hohe Qualitätsstandards, wie z.B. Peer Review erfüllen.
  • Directory of Open Access Journals (DOAJ): Im DOAJ werden nur Open-Access-Zeitschriften aufgenommen, die anhand zahlreicher Kriterien überprüft wurden. 
  • Die Open Access Scholarly Publishers Association (OASPA) führt eine Liste seriöser Open-Access-Verlage, die regelmäßig auf die Einhaltung der erforderlichen Qualitätsstandards überprüft werden.
  • Das Committee on Publication Ethics (COPE) nimmt nur Verlage und Editoren als Mitglieder auf, welche sich den strengen Richtlinien von COPE zur Publikationsethik verpflichtet haben.

 

2. Wenn die Zeitschrift in keiner der oben genannten Datenbanken aufscheint, schauen Sie sich die Checkliste von Think. Check. Submit. an oder überprüfen Sie die Zeitschrift anhand der Kriterienliste der Universität Graz oder mit Hilfe der Überprüfungsmöglichkeiten bei Publisso.

 

3. Geben Sie die den Namen der Zeitschrift oder des Verlages im Internet in eine Suchmaschine ein (auch in Kombination mit den Begriffen "fake" und "predatory"), um gegebenenfalls auf Diskussionen in der Fachcommunity aufmerksam zu werden.

 

4. Fragen Sie bei der Open-Access-Beauftragten der TiHo nach.

Wo muss ich noch vorsichtig sein?

Das Thema Fake Science betrifft auch "Predatory Conferences" und "Predatory Proceedings".

 

Die Betrugsmasche liegt bei den "Predatory Conferences" in dem Angebot von Fachkonferenzen an oftmals interessanten Veranstaltungsorten. Die Beschreibung auf den Webseiten und der Anmeldeprozess wirken seriös. Nach Zahlung der Teilnahmegebühren findet die Konferenz jedoch meist gar nicht statt. Falls die Konferenz doch stattfinden sollte, gibt es kaum Teilnehmer/Innen und auch kein richtiges Programm.

 

Außerdem erhalten gerade Nachwuchswissenschaftler/innen nach einer Konferenzteilnahme oftmals Angebote von unseriösen Verlagen zur Veröffentlichung des verschriftlichten Vortrags in einer angeblichen Fachzeitschrift (Predatory Proceedings). Auch hier sollten Sie Vorsicht walten lassen und erst einmal die Seriosität des Verlages überprüfen, bevor Sie Ihren Fachartikel zur Veröffentlichung freigeben. Überprüfen können Sie eine Konferenz beispielsweise mit der Checkliste oder dem Conference Checker von Think. Check. Attend.

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