Zukunftsdiskurs: Energiewende versus Biodiversität, ZukunftEnbio

Schwimmkran bei Offshore Windpark im Bau
© ITAW
Projektdaten  
Projektleitung: Prof. Prof. h. c. Dr Ursula Siebert
Wissenschaftliche Mitarbeiter: Robabe Ahmadi, Dr. Lilja Fromme
Laufzeit: 01.05.2024 - 31.07. 2025
Förderung: Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK)
Offshore Windpark in Betrieb
Offshore-Windpark, © ITAW

Wege des Wissenschaftstransfer von Nachhaltigkeitskrisen

Um die CO2-Emmissionen zu verringern und den Klimawandel aufzuhalten, wird im Rahmen der Energiewende der Ausbau der Offshore-Windenergie vorangetrieben. Für die Nordsee haben nicht nur Deutschland, sondern unter anderem auch Dänemark, Niederlande, Großbritannien und Schweden weitreichende Ausbaupläne für die Offshore-Windindustrie. Dieses Ökosystem wird ohnehin stark durch menschliche Einflüsse belastet, zu denen z. B. Einträge der chemischen und pharmazeutischen Industrie, Eutrophierung, Fischerei, Schifffahrt, Munitions-Altlasten und invasive Arten gehören. Der Bau von Offshore-Windkraftanalagen bedeutet damit einen weiteren signifikanten Stressor für einen vorbelasteten Lebensraum und die dort lebenden Arten.

Das Projekt Zukunft EnBio hat sich mit der Transformation der Energieversorgung in Deutschland und Europa und den damit einhergehenden Konflikten im Natur- und Artenschutz befasst. Dabei ging es vor allem um den Wissenstransfer in die Gesellschaft und um die Fragen

  • Wie ist der Informationsstand um den Nachhaltigkeitskonflikt?

  • Welche Bildungsformate sind geeignet, Wissenstransfer über die Nachhaltigkeitskonflikt zu leisten?

  • Wie kann der demokratische Diskurs über Nachhaltigkeitskonflikte und damit die politische Teilhabe gestärkt werden?

Dabei wurden der Austausch mit und in der Bevölkerung über das Spannungsfeld zwischen Klima- und Biodiversitätsschutz gestärkt, Wissen rund um die Problematik kommuniziert und Empfehlungen für geeignete Kommunikationswege ausgesprochen.

Im Rahmen des Projekts wurden eine Umfrage und zwei öffentliche Veranstaltungen durchgeführt. Eine Haupterkenntnis dabei war, dass bei vielen Menschen Unsicherheiten bezüglich des faktischen Wissens rund um den Nachhaltigkeitskonflikt bestehen. Passend dazu wünschen sie sich mehr Bildungsformate dazu. Da Umweltbewusstsein und -Interesse weiterhin stark mit soziodemographischen und -kulturellen Faktoren verknüpft sind (siehe dazu z. B. die Umweltbewusstseinsstudie des Umweltbundesamts und die Naturbewusstseinsstudie des Bundesamts für Naturschutz), ist es essenziell, die Bildung in diesem Bereich, und damit Handlungskompetenzen in der Bevölkerung, zu forcieren. Solche Bildungsformate müssen, im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung, flächendeckend verfügbar sein, um alle sozialen Milieus zu erreichen („leave no one behind“). Als weitere Herausforderung wurde in der Abschlussveranstaltung des Projekts ZukunftEnBio ein Ohnmachtsgefühl junger Menschen im Angesicht multipler Nachhaltigkeitskrisen und eine zunehmende Politikverdrossenheit diskutiert. Auch hier können Bildungsformate einen wichtigen Beitrag leisten, über die Vermittlung von Perspektiven und die Verknüpfung von sachlichen Inhalten mit Werten das Gefühl der Selbstwirksamkeit zu stärken und die politische Teilhabe zu fördern. Ein Impulspapier und ein Policy-Brief fassen die wichtigsten Erkenntnisse des Projekts zusammen und stehen auf dieser Seite zum Download bereit.

Fischereiboot beim Einholen des Netzes
Fischereifahrzeug, © ITAW

Zudem wurden im Rahmen des Projekts Bildungsformate entwickelt: Drei Forschungskisten stehen für den digitalen oder analogen Einsatz in Schulen bereit. Ein Workshopformat wurde bereits in drei Anrainerstaaten der Nordsee (Deutschland, Niederlande, Dänemark) durchgeführt. Faktenblätter informieren über wichtige Begriffe und Themenbereiche des Nachhaltigkeitskonflikts. Sie können als Arbeitsblätter in der Schule eingesetzt, aber auch als Multiplikatoren über Social Media genutzt werden. Als Botschafter in den Bildungsformaten dienen Schweinswal und Eisbär. Dabei ist der Schweinswal als Bewohner der Nordsee potenzieller Leidtragender des Ausbaus der Offshore-Windenergie, während der Eisbär als Bewohner der Arktis unter den Folgen des Klimawandels leidet. 

Eisbären auf Eisscholle
Eisbären, © Sonne, Dietz, Andersen
Schweinswal
Schweinswal, © ITAW
Schweinswal Foto van Neer, ITAW
Schweinswal, © ITAW

Workshops und Forschungskisten folgen einem ähnlichen Konzept: Zunächst erfolgt die Einleitung in die Thematik über einen kleinen Film und eine weitere theoretische Einführung. Interaktive Elemente motivieren, sich mit Teilbereichen des Themenkomplexes genauer zu befassen. Zwei der Forschungskisten enthalten dafür z. B. Experimente, welche Energiegewinnung und Treibhauseffekt veranschaulichen. In den Workshops erfolgt die Erarbeitung der ökosystemaren Beziehungen und Veränderungen durch die betrachteten Stressoren (Klimawandel, Offshore-Windkraft) über Modelle und ein Rollenspiel. Letztendlich werden die Teilnehmenden in allen Bildungsformaten auf einen abschließenden Diskurs zum Thema vorbereitet. Diese abschließende Diskussion soll kognitive und soziale Fähigkeiten stärken, die für den demokratischen Diskurs und die politische Teilhabe unabdingbar sein.

In allen Arbeitspaketen wurde ersichtlich, wie wichtig, flächendeckende und frei verfügbare Bildung ist. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, Materialien der Forschungskisten und Workshops sowie gedrehte Filme über die Thematik frei zur Verfügung zu stellen und so einen Beitrag zu einer nachhaltigen Bildung zu leisten.

In diesem Video geht es um Biodiversität, Klimawandel und Enegiewende. Drei Themengebiete die miteinander verflochten sind und sich gegenseitig beeinflussen. Was passiert wenn Klimaschutzmaßnahmen selbst zur Gefahr für Tiere werden?

Schweinswal Windkraftanlage Eisbär

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