AniMotion: Tiermodellauswahl in der Forschung
Die fundierte Auswahl eines geeigneten Tiermodells bildet den zentralen Fokus des Projekts AniMotion. Als interdisziplinäre Initiative, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), vereint dieses Vorhaben die Expertise der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) und der Universität Bonn (UB). Ziel ist es, verschiedene fachliche Perspektiven zu synthetisieren, um eine einheitliche Basis für die Beantwortung der Kernfrage zu schaffen: Welche Kriterien sind entscheidend bei der Wahl eines Tiermodells?
In dieses Konzept fließen Kompetenzen aus den Bereichen Ethik und Philosophie (Prof. Dr. Peter Kunzmann, TiHo), Versuchstierkunde (Prof. Dr. Bernhard Hiebl, TiHo), Infektionsforschung (Prof. Dr. Maren von Köckritz-Blickwede, TiHo) sowie Rechtswissenschaft (Prof. Dr. Dr. Tade Spranger, UB) ein. Die Bewertung potenzieller Tierarten ist eine komplexe Aufgabe, die naturwissenschaftliche, ethische und rechtliche Aspekte umfassend berücksichtigen muss und üblicherweise in der Verantwortung der Projektleitung liegt.
Dabei reicht die wissenschaftliche Eignung eines Modells allein nicht aus. Auch ethische Implikationen, wie etwa eine erhebliche emotionale Belastung des Personals (beispielsweise durch Compassion Fatigue) oder eine fehlende Durchführungsbereitschaft, müssen gewichtet werden. Die EU-Richtlinie 2010/63/EU fordert explizit ein „Klima der Fürsorge", in dem sowohl das Tierwohl als auch mögliche Belastungen der Mitarbeitenden frühzeitig erkannt und verantwortungsvoll adressiert werden. Es ist daher ratsam, alle am Versuch beteiligten Personen bereits in dieser frühen Phase in die Entscheidungsfindung einzubeziehen bzw. den Prozess transparent zu kommunizieren.
Um den Entscheidungsprozess zu gestalten, wurde im Rahmen von AniMotion ein Entscheidungsspiel entwickelt. Dieses Instrument kann individuell auf die jeweilige wissenschaftliche Fragestellung angepasst werden. Durch eine systematische Gegenüberstellung von Pro- und Kontraargumenten für die infrage kommenden Tierarten und die Sichtweise aus unterschiedlichen Spielrollen wird die Objektivität des Auswahlprozesses gesteigert. Dies erweist sich als vorteilhaft für die Kommunikation im Team und mit der Öffentlichkeit sowie bei der behördlichen Antragstellung.
Das entsprechende Spielmaterial steht Ihnen hier zur Verfügung:



