Gründung und Entwicklung des Instituts für Biochemie
Das heutige Institut für Biochemie der Tierärztlichen Hochschule Hannover wurde 1965 unter dem Namen „Institut für Physiologische Chemie“ gegründet. Erster Institutsleiter war Prof. Niesar. Die Labore und Büros befanden sich zunächst im Gebäude des Physiologischen Instituts am Standort Bischofsholer Damm. Nachfolger von Prof. Niesar wurde Prof. Jürgen Schole.
Im Jahr 1977 erfolgte der Umzug in das neu errichtete Gebäude 218 am Standort Bünteweg in Hannover-Kirchrode. Damals bestand das Institut aus drei Professoren, fünf wissenschaftlichen Assistenten, sieben technischen Assistenten sowie mehreren Doktorandinnen und Doktoranden. Neben der Lehre in Biochemie für Studierende der Veterinärmedizin konzentrierte sich die Forschung auf Stoffwechselprozesse von Kohlenhydraten und Fetten bei Tieren. Nach der Pensionierung von Prof. Schole übernahm Prof. Hans-Peter Sallmann von 1992 bis 1997 kommissarisch die Institutsleitung.
1997 trat Prof. Dr. Hassan Y. Naim, gebürtig aus Beirut, Libanon, die C4-Professur für Biochemie an und übernahm die Leitung des Instituts. Zuvor hatte er an den Universitäten Bern, Lausanne und am Southwestern Medical Center der University of Texas in Dallas geforscht, insbesondere im Bereich Proteintransport und -sortierung. Seine Arbeiten legten die Grundlagen für das heutige Verständnis genetisch bedingter Enzymdefekte, etwa bei Saccharase-Isomaltase- und Laktasemangel. An der Universität Düsseldorf leitete er später eine BMBF-Nachwuchsgruppe zu diesen Themen.
Mit Prof. Naims Berufung erweiterte sich das Forschungsspektrum des Instituts auf molekulare Mechanismen des Protein- und Membrantransports unter physiologischen und pathologischen Bedingungen. Schwerpunkte bildeten dabei gastrointestinale Erkrankungen, lysosomale Speicherkrankheiten sowie Prostatakrebs. Auch die Lehre wurde ausgebaut und umfasste nun das gesamte Pflicht- und Wahlpflichtcurriculum in Biochemie für Veterinärmedizinstudierende sowie Lehrveranstaltungen in Zell- und Molekularbiologie und Pathobiochemie für Studierende der Biologie und Biochemie.
2004 ging Prof. Sallmann in den Ruhestand. Im selben Jahr stieß Prof. Bernd Otto vom Fraunhofer-Institut als assoziiertes Mitglied zum Institut. Als Inhaber einer vom Land Niedersachsen eingerichteten Professur für Biotechnologie und Molekularbiologie unterstützte er die Lehrtätigkeit bis zu seiner Pensionierung.
2010 kam Dr. Maren von Köckritz-Blickwede ans Institut, nach Forschungsaufenthalten an der University of California, San Diego, und am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. Sie initiierte viele neue Projekte zur biochemischen Analyse von Infektionen und Immunabwehr, mit besonderem Fokus auf phagozytische extrazelluläreDNA-Netze. 2015 wurde sie auf die W2-Professur „Biochemie der Infektionen“ berufen und übernahm die neu etablierte Arbeitsgruppe „Infektionsbiochemie“.
Im September 2020 wurde das Institut mit einer Vorgriffsprofessur für Molekulare und Klinische Infektiologie ausgestattet. Diese war im Hinblick auf die geplante Nachfolge von Prof. Dr. Naim eingerichtet worden, der zum 30. September 2022 in den Ruhestand trat. Seitdem ist Prof. Naim dem Institut weiterhin in wissenschaftlicher Funktion eng verbunden, insbesondere als aktiver Forscher und Mentor für den wissenschaftlichen Nachwuchs.
Den Ruf auf die Vorgriffsprofessur nahm Ass.-Prof. Dr. Gisa Gerold, Virologin, an. Sie übernahm die Leitung des Instituts im Oktober 2022 und führte diese bis September 2024, bevor sie einem Ruf auf eine Professur für Virologie an die Medizinische Universität Innsbruck folgte.
Die kommissarische Leitung des Instituts wird derzeit von Prof. Dr. Maren von Köckritz-Blickwede wahrgenommen.



