Schalenwildmonitoring

Projektdaten

Projektdauer: 2011-2013
Projektleitung: Dr. Egbert Strauß
Bearbeitung: Dipl.-Biol. Reinhild Gräber, Dipl.-Biol. Britta Habbe
Förderung: Landesjägerschaft Niedersachsen e.V.

Veranlassung

Kenntnisse über Verhalten und Populationsgröße der einzelnen Schalenwildarten sind Voraussetzung für potentielle Bestandsregulationen, um Wild und Wald gesund zu halten. Aufgrund dessen müssen die Ursachen von Bestandsschwankungen in Schalenwildpopulationen bekannt sein, um gezielt effektive Maßnahmen einleiten und Fehlurteile vermeiden zu können.  

 

Die Schalenwildpopulationen in Niedersachsen sind in den letzten Jahren stark angewachsen (DJV 2010), die tatsächliche Bestandsdichte ist jedoch weitestgehend unbekannt. Genaue und nachhaltige Entscheidungen für Abschusspläne sind daher schwierig zu treffen und somit wird das momentane Schalenwildmanagement besonders auch vor dem Hintergrund der „Wald + Wild - Kontroverse“ diskutiert.

Um hier akzeptierte Entscheidungen treffen zu können, ist es notwendig, die tatsächliche Bestandsdichte der Schalenwildarten in niedersächsischen Wäldern erfassen zu können. Auch im Hinblick auf die Rückkehr großer Beutegreifer wie Luchs und Wolf in das Ökosystem ist es ratsam, die Bestandsdichten der Beutetierarten zu kennen, um im Verlauf der Wiederbesiedelung auf Vergleichsdaten ohne Einfluss der Beutegreifer zurückgreifen zu können.

 

Die Hauptnahrung des Wolfes in Mitteleuropa sind die verschiedenen Schalenwildarten Rehwild, Rotwild, Damwild und Schwarzwild (Wotschikowski 2010). Der zu erwartende Einfluss von Großprädatoren wie Wolf und Luchs auf die Bestände in Deutschland ist sowohl quantitativ (auf die Populationsdichte) als auch qualitativ (auf das Verhalten) unbekannt (Okamara & Langwald 2002). Um diesen Einfluss verifizieren zu können und Schäden an land- und forstwirtschaftlichen Kulturen zu minimieren, müssen auch weitere potentielle Einflussfaktoren für mögliche lokale Schwankungen der Bestände und der Jagdstrecke wie z.B. durch Habitatveränderungen, Sukzession, Jagd, Fütterung, Störungen etc. bekannt sein. Neben Beutegreifern und Lebensraumzerschneidung nimmt vehement die anthropogene Nutzung des Lebensraumes (Wanderer, Pilzsucher, Geo-caching u.a.) Einfluss auf das Raum-Zeitverhalten des Schalenwildes (Kirchhoff 2010, Kirchhoff & Gräber 2010). Veränderungen im Raum- Zeitverhalten, sei es durch den Wolf, den Menschen oder die Jagd können verstärkt Wildschäden an Wald und Feld und damit Kosten sowie Ertragseinbußen in der Forst- und Landwirtschaft verursachen (Herbold 1990, Schmidt 1992, Gaertner & Hauptmann 2005).

 

Durch wissenschaftlich fundierte Basisdaten zum Verhalten und zur Populationsgröße der Schalenwildarten Rotwild, Damwild und Rehwild sollen die Einflüsse auf die Schalenwildarten abgeschätzt und daraus ein effektives und akzeptiertes Bejagungsmanagement für das Schalenwild entwickelt werden.

Dieses Projekt soll in enger Abstimmung mit dem Wolfskonzept Niedersachsen des Nds. Ministerium für Umwelt und Klimaschutz, den Niedersächsischen Landesforsten  und dem Wolfsprojekt der Ladesjägerschaft Niedersachsen durchgeführt werden.

Problemstellung

Erfassung von drei Hirschen mittels Wärmebildkamera

Zur Erfassung von Schalenwildbeständen werden derzeit verschiedene Methoden angewendet (Tottewitz et al. 1996, Marques et al. 2001, Thomas et al. 2002, Gräber 2010, Hupe et al. 2010), die bislang nicht ausreichend und nicht für alle Schalenwildarten gleichermaßen anwendbar sind.

 

Das Raum-Zeitverhalten von Rot- und Damwild auf lokaler Ebene ist sehr variabel (Okamara & Langwald 2002) und aufgrund unbekannter Ursachen kommt es häufig zu subjektiven Fehldeutungen. Bei einer Rückkehr von konfliktträchtigen Tierarten wie Wolf und Luchs ist es zu erwarten, dass diese Arten bei Veränderungen im Verhalten der Beutetiere vorschnell als vermeintliche Störfaktoren benannt werden. So können subjektiv wahrgenommene Verhaltensänderungen beim Rot-, Dam- und Rehwild (Rudelbildung, Sicherungsverhalten, Ausweichverhalten) schnell neue Konfliktfelder entstehen lassen und die Akzeptanz von Luchs und Wolf schmälern, wenn die tatsächlichen Ursachen nicht geklärt sind.

 

Zwar ist davon auszugehen, dass großräumig auf die Gesamtpopulationen keine merklichen Änderungen in den Bestandsdichten von den Großprädatoren zu erwarten sind (s. (Reinhardt & Kluth 2010) , von lokalen Veränderungen können jedoch Jäger und Förster unterschiedlich stark getroffen werden. Mögliche Einstandsverschiebungen, veränderte Raum-Zeitverhaltensmuster und Feindvermeidungsverhalten (z. B. Rudelbildung) können eine mögliche Steigerung der Wildschäden zur Folge haben. Zudem wäre durch das veränderte Verhalten die Vorhersagbarkeit des Wildes gemindert, was sich negativ auf den Jagderfolg auswirken könnte. Im Zuge der anspruchsvolleren Bejagung wäre ein Einhalten der Abschusspläne erschwert, was wiederum den Anstieg der Wildbestände zu Folge hätte.

 

Für mitteleuropäische Verhältnisse ist bisher weitestgehend unbekannt, wie Schalenwildarten ihr Raum-Zeitverhalten bei einer Wiederansiedlung von Großprädatoren im System umstellen oder verändern. Hier können nur langfristige Verhaltensbeobachtungen von Schalenwild im Freiland mittels verschiedener standardisierter Methoden zuverlässig Veränderungen aufzeigen. Bislang werden diese Beobachtungsmethoden jedoch nur selten angewendet.

Ziele

Als mittelfristiges Ziel gilt die Weiterentwicklung valider Methoden zur Bestandserfassung der Schalenwildarten (Rot- Dam- und Rehwild) auf lokaler Ebene anhand von Referenzgebieten. Zusätzlich sollen standardisierte Beobachtungsmethoden eingesetzt werden, anhand derer das Verhalten der Schalenwildarten im Freiland auf lokaler Ebene erfasst werden kann.

Besonders mit dem Blick auf die baldige Wiederkehr der Großprädatoren Wolf und Luchs ist es möglich, zum jetzigen Zeitpunkt Vergleichsdaten ohne die Anwesenheit von diesen Beutegreifern zu erhalten, welche im weiteren Verlauf als Referenzdaten dienen können.

Langfristig soll mittels der entwickelten Methoden in weiten Teilen Niedersachsens ein Schalenwildmonitoring etabliert werden, welches als Längsschnittstudie Daten zur zahlenmäßigen Entwicklung regionaler und lokaler Bestände liefert. Die Ergebnisse der Verhaltensbeobachtungen hinsichtlich verursachenden Störfaktoren (Anwesenheit der Großprädatoren, Habitatveränderungen, anthropogene Einflüsse) analysiert werden.

Anhand dieser Erkenntnisse sollen Lösungsstrategien für das Schalenwildmanagement zu entwickelt werden. Es gilt, Wildschäden zu vermindern und Bejagungsstrategien zu optimieren. Zudem liefern die Kenntnisse über die tatsächlichen Einflussfaktoren auf die Schalenwildbestände Basisdaten für eine objektive Öffentlichkeitsarbeit zur Akzeptanzsteigerung von Wolf und Luchs.

 

Literatur

Ansprechpartner

 

Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Bischofsholer Damm 15

30173 Hannover

 

Dipl.-Biol. Reinhild Gräber

Tel.: +49 511 856-7557

Fax: +49 511 856-827557

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