en

Sie sind hier:

Chirurgische und chemische Kastration

Die Kastration männlicher Heimtiere wird vor allem zur Verhütung und zur Verbesserung der Gruppenhaltung genutzt. Da die meisten Heimtiere in Pärchen oder Gruppen gehalten werden, ist eine Kastration unumgänglich, um ungewollten Nachwuchs zu vermeiden.

 

Im Vergleich dazu ist die Kastration weiblicher Heimtiere oft Thema heißer Diskussionen. Meist ist die Kastration aus Verhütungssicht nicht nötig, da die Männchen bereits kastriert sind oder der Besitzer nur weibliche Tiere hält. Tatsächlich gibt es jedoch drei Spezies, bei denen eine Kastration auch beim weiblichen Tier sinnvoll bzw. nötig ist:

  • Kaninchen: Je nach Literaturstelle liegt die Häufigkeit eines bösartigen Tumors der Gebärmutter zwischen 15 % und 79 %. Besonders Tiere über 3 Jahren sind gefährdet1,2,4. Auch andere Tumorarten, teils gutartige, kommen häufig vor5. Streuungen in andere Organe sind möglich3 und werden meist erst spät bemerkt. Durch Tasten, Röntgen und Ultraschall lässt sich die Gebärmutter sehr gut evaluieren6. Eine definitive Diagnose gibt es jedoch erst in der pathologischen Untersuchung. Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, empfehlen wir Kaninchenweibchen ab einem Alter von ca. 6-12 Monaten zu kastrieren. Je früher kastriert wird, desto geringer sind die Risiken dieser Operation und desto schneller erholen sich die Patienten.
  • Frettchen: Weibliche Frettchen haben einen besonderen Zyklus, der, wenn sie nicht gedeckt werden, sehr schnell aus dem Gleichgewicht geraten kann. Es kommt dann zur vermehrten und verlängerten Bildung von Geschlechtshormonen, besonders des Hormons Östrogen. Dieses Hormon sorgt nicht nur für eine Verlängerung der Ranz, eventuell auch für eine Dauerranz, sondern unterdrückt auch im Knochenmark natürlicherweise ablaufende Prozesse. Dies betrifft  z.B. die Bildung der verschiedenen Blutkörperchen im Körper.  In der Folge kommt es deshalb zu einem Mangel an roten und weißen Blutkörperchen (Blutarmut und/oder  Immunsystemschwäche) sowie zur Blutungsneigung. Die Risiken für die Fähe sind enorm. Eine vorsorgliche Kastration kurz vor oder während der ersten Ranz sind demnach zu empfehlen7. Während die chirurgische Kastration das Risiko für eine Nebennierenerkrankung (Hyperadrenokortizismus) fördert, zeigen Tiere, welche chemisch kastriert wurden ein deutlich verringertes Risiko für diese Krankheit8. Voraussetzung für die chemische Kastration ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Tierbesitzer und Tierarzt, da eine einmalige chemische Behandlung nur für eine bestimmte Zeitdauer wirkt. Zur Nachbehandlung wird deshalb  prophylaktisch im jährlichen bis zweijährlichen Abstand geraten oder es kann bei Bedarf eine Auffrischung erfolgen9-11. Über die Vorteile einer chemischen Kastration sowohl für männliche wie auch weibliche Frettchen liegen verschiedene Untersuchungen vor, deshalb wird diese derzeit angeraten9-11.
  • Ratte: Bei dieser Tierart steht nicht so sehr die Gebärmutter, sondern das Gesäuge im Vordergrund vorbeugender Therapiemaßnahmen. Ratten haben ein hohes Risiko an Gesäugetumoren zu erkranken. Zwar sind nach Studien nur etwa 10-15 % dieser Tumoren bösartig. Da Ratten praktisch an fast allen Körperregionen  Gesäugegewebe besitzen, können die dort entstehenden, teilweise sehr großen Umfangsvermehrungen schnell zu einem Störfaktor werden12. Eine Studie zeigt, dass eine chirurgische Kastration vor dem 5.-7. Lebensmonat das Vorkommen dieser Tumoren deutlich reduzieren kann13. Eine chemische Kastration von Ratten ist ebenfalls möglich14. Untersuchungen, ob damit das Vorkommen von Gesäugetumoren ebenfalls reduziert wird, fehlen noch. Das Für und Wider eines operativen Eingriffsrisikos hängt auch bei dieser Tierart von möglicherweise vorliegenden weiteren Erkrankungen, wie z.B. einer Mykoplasmose ab.

 

 

Das Team der Heimtierabteilung steht Ihnen gerne für eine Kastrationsberatung zur Verfügung. Die chirurgische Kastration weiblicher oder männlicher Kleinsäuger wird in unserer Klinik von in Chirurgie und Anästhesie erfahrenem Personal vorgenommen. Die chemische Kastration, besonders von männlichen und weiblichen Frettchen, wird ambulant in unserer Terminsprechstunde durchgeführt.

Literatur

  1. Saito K., Nakanishi M., Hasegawa A. (2002): Uterine disorders diagnosed by ventrotomy in 47 rabbits. J. Vet. Med. Sci 64(6): 495-497.
  2. Ingalls T.H., Adams W.M., Lurie M.B., Ipsen J. (1964): Natural history of adenocarcinoma of the uterus in the phipps rabbit colony. J. Natl. Cancer Inst. 33(5): 799-806.
  3. Haist V., Hirschfeld S.G., Mallig C., Fehr M., Baumgärtner (2010): Pathologic fracture of the femur due to endometrial adenocarcinoma metastasis in a female pet rabbit (Oryctolagus cuniculi). Berl Munch Tierarztl Wochenschr  123 (7-8): 346-351.
  4. Greene H.S.N. (1959): Adenocarcinoma of the uterine fundus in the rabbit. Ann. New York Acad. Sci. 75: 535-542.
  5. Künzel F., Grinninger P., Shibly S., Hassan J., Tichy A., Berghold P., Fuchs-Baumgartinger A. (2015): Uterine Disorders in 50 Pet Rabbits. J. Am. Anim. Hosp. Assoc. 51(1): 8-14. 
  6. Lübke V.C. (2018): Evaluierung von Befunden aus Röntgen und Sonographie weiblich unkastrierter Kaninchen hinsichtlich pathologischer Uterusveränderungen. Dissertation Hannover.
  7. Fehr M., Ewringmann A., Warschau M. (2015): Frettchen: Heimtier und Patient. Enke Verlag.
  8. Schoemaker N., Drijver E., Bandsma J., Groeneveld E., Galac S., van Zeeland Y. (2018): Longitudinal Evaluation of Adrenal Gland Volume in Chemically versus surgically neutered ferrets. Exoticscon Atlanta.
  9. Goericke-Pesch S., Wehrend A. (2012): The use of a slow release GnRH-agonist implant in female ferrets in season for oestrus suppression. Schweizer Archiv für Tierheilkunde 154(11): 487-491.
  10. Proháczik A., Kulcsár M., Trigg T., Driancourt M. A., Huszenicza G. (2010): Comparison of four treatments to suppress ovarian activity in ferrets (Mustela putorius furo). Vet. Rec. 166: 74-78.
  11. Schoemaker N. J., van Deijk R., Muijlaert B., Kik M. J., Kuijten A. M., de Jong F. H., Trigg T. E., Kruitwagen C. L., Mol J. A. (2008): Use of a gonadotropin releasing hormone agonist implant as an alternative for surgical castration in male ferrets (Mustela putorius furo). Theriogenology 70: 161-167.
  12. Vergneau-Grosset C., Keel M.K., Goldsmith D., Kass P.H., Paul-Murphy J., Hawkins M.G. (2016): Description of the prevalence, histologic characteristics, concomitant abnormalities, and outcomes of mammary gland tumors in companion rats (Rattus norvegicus): 100 cases (1990-2015). J Am Vet Med A 249 (10): 1170-1179.
  13. Planas-Silva M.D., Rutherford T.M., Stone M.C. (2008): Prevention of age-related spontaneous mammary tumors in outbred rats by late ovariectomy. Cancer Detect Prev 32: 65-71.
  14. Alkis I., Cetin Y., Sendag S., Wehrend A.(2011): Long term suppression of oestrus and prevention of pregnancy by deslorelin implant in rats. Bull Vet Inst Pulawy 55: 237-240.
Sprechzeiten Heimtiere
Telefonische Beratung Heimtiere
Anfahrt
Notfälle
Schnell- & Themenzugriffe
Diese Seite