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Die Eiskante und der Antarctic Sound

Wir schreiben nun das Jahr 2011, der Kurs der ‚Polarstern‘ liegt weiterhin südlich des 60. Breitengrades mit Richtung Antarktische Halbinsel. Die Wetterbedingungen sind ausgesprochen günstig und lassen zeitweise drei Helikopterflüge pro Tag zu. Einige der Flüge finden bei spiegelglatter See und optimalen Sichtungsbedingungen statt. Unsere Wal-Sichtungen beschränkten sich zunächst auf weitere Antarktische Zwergwale, doch dann sichteten wir die ersten Schwertwale dieser Reise: eine Gruppe von über 30 Tieren des Antarktischen Schwertwaltyps B. In der Antarktis gibt es drei verschiedene Typen von Schwertwalen (Typ A, B und C), die alle drei unterschiedlich pigmentiert sind, verschiedene Habitate bevorzugen und zum Teil unterschiedliche Nahrungspräferenzen aufzeigen. Der Antarktische Typ B Schwertwal kommt bevorzugt im Packeis und am Rande des Packeises vor und ernährt sich von marinen Säugern. Sogar mehrere Jungtiere waren in der von uns gesichteten Gruppe zu beobachten. Diese Sichtung ist für uns alle ein absolutes Highlight! Die Eisschollen neben den Tieren boten zudem eine sehr eindrucksvolle Kulisse. Auch an den folgenden Tagen sind die Wetterbedingungen ausgezeichnet und während unserer Beobachtungen sichten wir weitere Zwergwale.
Eine besondere Sichtung waren für uns zwei Gruppen von jeweils sechs und sieben Zwergwalen, die sich in der Nähe der Eiskante entlang der Eisschollen auf Beutefang befanden. Das Nahrungsangebot muss hier sehr gut sein, da auf einer Reihe von Eisschollen neben den ruhenden Krabbenfresser-Robben deutliche Hinterlassenschaften von Krillresten zu erkennen waren. Weiterhin fanden sich Weddell-Robben und auch einzelne Seeleoparden ein.

Ein Seeleopard (Hydrurga leptonyx) auf dem Meereis.

An den folgenden Tagen lassen die Wetterbedingungen nur vereinzelt Flüge zu. Die für unsere Flugzählungen notwendige Wolkenuntergrenze oberhalb von 600 Fuß war an mehreren Tagen erst im Laufe des Nachmittags gegeben und Nebel behinderte immer wieder die Beobachtungen vom Schiff. Doch mit Erreichen der Ostspitze der Antarktischen Halbinsel entschädigten Sichtungen von mehreren Buckel- und Zwergwalen und einer weiteren Gruppe von Antarktischen Typ B Schwertwalen für unser mehr oder weniger geduldiges Warten auf besseres Wetter. Von Bord aus konnten an diesen Tagen nicht nur vom Krähennest aus Wale beobachtet werden, so dass auch Wissenschaftler anderer Arbeitsgruppen und die Besatzungsmitglieder die Chance wahrnahmen diese Meeressäuger in Augenschein zu nehmen.

Antarktischer Zwergwal (Balaenoptera bonaerensis).

Der Kurs der ‚Polarstern‘ führt uns durch den Antarctic Sound, wo auch mehrere Kreuzfahrtschiffe gesichtet werden. Wir sind also nicht mehr allein sondern kommen der Zivilisation schon wieder ein wenig näher. Als wir am Ende eines Transekts kurzzeitig auf über 1500 Fuß steigen, um Funkkontakt mit ‚Polarstern‘ aufnehmen zu können, zeigte sich uns ein atemberaubendes Panorama. Ein weiterer Abendvortrag des Fahrtleiters über die Entdeckung der antarktischen Halbinsel ermöglichte zudem ein viel besseres Verständnis des Gesehenen.

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