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Schwarzwildbewirtschaftung Hochwildring Süsing

Projektdaten

Projektleitung: Prof. Prof. h. c. Dr. Ursula Siebert
Wiss. Bearbeitung: Dr. Oliver Keuling
Projektlaufzeit: 12.2012-12.2015
Förderung: Jagdabgabemittel des Landes Niedersachsen
Kooperation: Niedersächsisches Forstamt Oerrel;
Hegegemeinschaft Hochwildring Süsing

Projektbeschreibung

Nach Aussagen der Veterinärbehörde Niedersachsen (LAVES) ist eine Reduktion der Schwarzwildbestände weiterhin erforderlich um epidemieartige Ausbrüche von Tierseuchen wie der klassischen Schweinepest oder der Aujeszky Krankheit zu verhindern.

Aus Mitteln der Jagdabgabe führt das ITAW (Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung, TiHo Hannover) ein Projekt zur Schwarzwildbejagung durch („Schwarzwildmanagement in Niedersachsen“), bei dem u.a. gezielt Bachen erlegt werden sollen, um festzustellen, welche Auswirkung eine vermehrte tierschutzgerechte Bachenbejagung auf den Schwarzwildbestand hat. Parallel dazu werden im Gebiet des Hochwildringes Süsing die Auswirkungen einer gezielten Frischlings- und Überläuferbejagung, bei gezielter Schonung älterer Bachen, untersucht. Es ist beabsichtigt, die Entwicklung verschiedener Bachen über mindestens drei Jahre (besser bis an deren Lebensende) zu beobachten und auszuwerten, wie sich die Alters- und Sozialstrukturen entwickeln.

Mit diesem Projekt soll überprüft werden, ob tatsächlich nur wenige alte Bachen in der Population vorhanden sind und welche Einflüsse ältere Bachen längerfristig auf die Population haben. Des Weiteren soll anhand von Frischlingsmarkierungen und genetischen Analysen die Bejagungseffizienz überprüft werden.

Es sollen vorwiegend Frischlinge gefangen und markiert werden. Durch eine auffällige, jährlich wechselnde Farben und Formen der Ohrmarken kann der Verbleib, ggf. auch die Entwicklung der Frischlinge in den Rotten nachvollzogen werden. Gleichfalls kann bei Erlegung älterer Stücke sowohl deren Wanderbewegung als auch das Alter nachvollzogen werden. So kann weiterhin heraus gefunden werden, wie viel Prozent der markierten Frischlinge in welchem Alter erlegt werden. Hieraus können über die Jahre die Überlebensraten der einzelnen Altersklassen ermittelt und somit die Effektivität der Bejagung in jeder Altersklasse bestimmt werden. Des weiteren lassen sich Abwanderungsraten und –muster ableiten.

Auffällig markierte Stücke können anhand der Jahres-Farben eindeutig erkannt werden und somit nach Alterslassen genau angesprochen werden. Ältere markierte Stücke sollen auf der Einzeljagd gezielt geschont werden.

Zusätzlich werden ältere Bachen mit GPS-Halsbändern versehen. Neben dem Raum-Zeit-Verhalten dieser Bachen können in Verbindung mit den Beobachtungsdaten weitere Rückschlüsse auf z.B. soziale Stellung, Rottenstruktur und Reproduktion gezogen werden.

Von jedem erlegten weiblichen Stück, insbesondere auf den Gesellschaftsjagden aber auch bei der Einzeljagd im ganzen Jahresverlauf, wird die Tracht (Ovarien und Uteri) entnommen, um die Reproduktionsraten und Geschlechtsreife über die Projektdauer (Einfluss der älteren Bachen im langfristigen Verlauf) sowie im Jahresverlauf zu ermitteln. Die Behauptung Frischlinge werden zu allen Jahreszeiten geboren, da es zu wenig alte Bachen gibt, soll somit überprüft werden. Um den Einfluss der älteren Bachen auf die Reproduktion untersuchen zu können sollen Beobachtungen zu den Rottenstrukturen durchgeführt werden, um den individuellen Reproduktionserfolg der markierten Stücke zu überwachen und daraus die Reproduktionszahlen abzuleiten.

Anhand der DNA-Proben aus den Jagdstrecken können potentielle Elternschaften ermittelt und somit die fehlenden Stücke auf der Jagdstrecke kalkuliert werden. Hieraus ergibt sich die Gesamtzahl des Gesamtbestandes vor Bejagung. Aus der Differenz zwischen Ursprungsbestand und Jagdstrecke wird die Bejagungseffizienz errechnet.

Von allen erlegten markierten Stücken sollen die Schädel samt Unterkiefer gesammelt werden, um Altersbestimmungen durchführen und aus altersbekannten markierten älteren Stücken Vergleichssammlungen herstellen zu können.

Literatur

    • DJV (2010): DJV-Handbuch - Jagd 2010. Deutscher Jagdschutz-Verband e.V., Bonn, 752 S.
    • Elphick CS (2008): How you count counts: the importance of methods research in applied ecology. J. Appl. Ecol. 45 (5), 1313-1320.
    • Gaidet-Drapier N, Fritz H, Bougarel M, Renaud PC, Poilecot P, Chardonnet P, Coid C, Poulet D, Le Bel S (2006): Cost and efficiency of large mammal census techniques: comparison of methods for a participatory approach in a communal area, Zimbabwe. Biodiv. Conserv. 15, 735-754.
    • Hohmann U (2009): Sauen - Lustwild oder Frustwild. Öko Jagd 1, 3-5.
    • ISN (2008): 10-Punkteplan zur Intensivierung der Schwarzwildbekämfung.
    • Keuling O (2010): Managing Wild Boar - Considerations for wild boar management based on game biology data. PhD thesis. Dresden University of Technology, Tharandt. nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa-38928, 23 S.
    • Keuling O, Stier N (2009): Schwarzwild - Untersuchungen zu Raum- und Habitatnutzung des Schwarzwildes (Sus scrofa L. 1758) in Südwest-Mecklenburg unter besonderer Berücksichtigung des Bejagungseinflusses und der Rolle älterer Stücke in den Rotten. Professur für Forstzoologie der TU Dresden, Tharandt. Abschlussbericht 2002-2006.
    • Lyra-Jorge MC, Ciocheti G, Pivello VR, Meirelles ST (2008): Comparing methods for sampling large- and medium-sized mammals: camera traps and track plots. Eur. J. Wildl. Res. 54, 739-744.
    • Sodeikat G, Pohlmeyer K (2007): Impact of drive hunts on daytime resting site areas of wild boar family groups (Sus scrofa L.). Wildl. Biol. Pract. 3 (1), 28-38.
    • Vine SJ, Crowther MS, Lapidge SJ, Dickman CR, Mooney N, Piggott MP, English AW (2009): Comparison of methods to detect rare and cryptic species: a case study using the red fox (Vulpes vulpes). Wildl. Res. 36 (5), 436-446.

    Ansprechpartner

     

    Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung

    Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

    Bischofsholer Damm 15

    30173 Hannover

     

    Dr. Oliver Keuling

    Tel.: +49 511 856-7396

    Fax: +49 511 856-827396

    E-Mail schreiben

    Anschrift
    Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
    Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (Hannover)
    Bischofsholer Damm 15
    30173 Hannover
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    Fax.:+49 511 856-82 7396
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