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Raumnutzung des Schwarzwildes

Projektdaten

Projektdauer: bis Ende 2005

Betreuung: Dr. G. Sodeikat

Förderung: Jagdabgabemittel des Landes Niedersachsen, Eigenmittel

Kooperation: Biology and Wildlife Dept., Institute of Arctic Biology, University of Alaska Fairbanks; PhD Falk Huettmann PhD Assistant Professor

Projektbeschreibung

Zu keiner Zeit gab es in Niedersachsen mehr Schwarzwild und niemals zuvor wurden in Niedersachsen mehr Sauen erlegt als in den vergangenen Jagdjahren. Die Schwarzwildstrecke im Jagdjahr 2002/ 2003 betrug 44.171 Sauen, das sind etwa 5.000 Wildschweine weniger als im Vorjahr. Im Vergleich zu der Strecke vor 30 Jahren (JJ 1971/72) mit 9137 erlegten Wildschweinen entspricht dies einer Streckenzunahme von fast 500 %. Der enormen Streckensteigerung und dem damit begründbaren Populationsanstieg liegt zweifelsohne eine anhaltend hohe Vermehrungsrate des Schwarzwildes zugrunde. Diese hat mehrere Ursachen z.B. durch die Umstrukturierung in der Landwirtschaft und Ausbreitung des Maisanbaus sowie der Intensivierung des Ackerbaus ist das Fraßangebot für die Sauen ganzjährig verbessert. Die Zuwachsdynamik der Wildschweine wird zusätzlich durch die kurze Aufeinanderfolge von Mastjahren in den Wäldern seit den 60er Jahren entscheidend verbessert. Aber auch eine fehlerhafte Bejagung verbunden mit einer falschen Kirr- bzw. Fütterungspraxis wirkten sich bestandsfördernd aus. Angesichts der immer wieder auftretenden Schweinepest (ESP) in Wildschwein- und Haustierbeständen in Niedersachsen und der anhaltend hohen Wildschweinbestände rückt das "Schwarzwild" zunehmend in den Blick öffentlichen Interesses. Konfliktstoff ergibt sich aufgrund möglicher Infektionswege vom Wildtier zum Hausschwein in Mast- und Aufzuchtbetrieben mit Millionenschäden. Auch wenn der zuletzt festgestellte ESP- Fall in Niedersachsen im Landkreis Rotenburg mehr als ein Jahr zurückliegt, ist die Gefahr neuer Ausbrüche gegeben. Das belegen die aktuellen Schweinepestfälle in den Schwarzwildbeständen in anderen Bundesländern wie z.B. in Rheinland- Pfalz. Um wiederholte Ausbrüche dieser leicht übertragbaren, hoch ansteckenden Seuche zu verhindern und drohenden Sanktionen der EU zu begegnen, fordern das Niedersächsische Landwirtschaftministerium und die Nds. Veterinärbehörden von den Jägern eine noch stärkere Bejagung des Schwarzwildes, wobei insbesonders die Durchführung zeitgleich angesetzter, großflächiger und revierübergreifender Anrührjagden gefordert wird. In Niedersachsen ist auch der Einsatz von Wildschweinfallen als weitere effektive Maßnahme zur Schwarzwilddezimierung möglich. Bei der Frage, welche Bejagungsstrategien zur Bestandsverringerung der Sauen in Gebieten mit Schweinepest sinnvoll und effektiv sind, gehen die Meinungen immer noch auseinander. Besonders bei Drückjagden unter Einsatz von Hunden wird befürchtet, dass die Wildschweinrotten auseinander getrieben und zu weiten Wanderungen veranlasst werden. Die sich hierbei zwangsläufig ergebenden neuen Tierkontakte werden für die schnelle Ausbreitung des Schweinepest - Virus verantwortlich gemacht. Das IWFo hat im Rahmen eines mehrjährigen Forschungsprojektes (1997 - 2005) diese Fragestellung aufgegriffen und untersucht das Raum- Zeitverhalten der Sauen im Nieders. Forstamt Knesebeck. Zwischenzeitlich belegen die vorliegenden Ergebnisse, dass Sauen nach Drückjagden nicht ziellos umherwandern sondern überwiegend in ihren Einständen verbleiben. Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass Sauen in einem Wald- Feld- Mischgebiet nach Drückjagden in einigen Fällen ihr zentrales Aufenthaltsgebiet verlassen haben. Während die Wildschweine bei den Drückjagden 1998 und 2001, 2002 eher kleinräumige Ausweich- und Fluchtbewegungen zeigten, waren ihre Fluchtwege 1999/ 2000 in einigen Fällen deutlich großräumiger (4-6 km). ). Einige Rotten verließen nach der Drückjagd ihr zentrales Aufenthaltsgebiet. Diese Rotten kehrten jedoch nach wenigen Wochen in ihr bevorzugtes Streifgebiet zurück. Andere Rotten wiederum verkleinerten nach der Drückjagd für einen bestimmten Zeitraum ihr Streifgebiet. Wie sich Wildschweine in großen zusammenhängenden Waldkomplexen verhalten, ist unbekannt. Drückjagden werden jedoch insbesondere in großen Waldrevieren durchgeführt. Auch ist die Schweinepest häufig in großen Waldgebieten ausgebrochen. In Bezug auf die Reaktionen von Sauen bei Drückjagden in einem Waldlebensraum sind gesicherte Erkenntnisse außerordentlich wichtig. Sie stellen die Grundlage für das Verständnis möglicher Ausbreitungswege der Schweinepest in derartigen waldreichen ESP- Gebieten dar. Angesichts denkbarer Infektionswege vom Wildtier zum Hausschwein in Mast- und Aufzuchtbetrieben mit Millionenschäden sind weitere Erkenntnisse über die Auswirkungen von Bewegungsjagden hinsichtlich der Flucht- und Ausweichbewegungen der Sauen in einem großen zusammenhängenden Waldkomplex unverzichtbar. Dieser Untersuchung berührt wichtige tier- und menschengesundheitliche Aspekte. Die Ergebnisse der Untersuchung können von unmittelbarer Bedeutung für das Verständnis bzw. für die Interpretation des Seuchengeschehens der Schweinepest hinsichtlich Verbreitung und Verlauf sein. Damit dient die Untersuchung der Erweiterung des Praxis- und des Grundlagenwissens dieser Tierart und fördert die Erkenntnisse hinsichtlich des Seuchengeschehens in der Wildpopulation. Das IWFo verspricht sich von den Ergebnissen weitere Erkenntnisse sowohl für eine effektive, wildbiologisch sinnvolle Bejagung der nach wie vor sehr hohen Wildschweinpopulation als auch eine objektivierbare Abschätzung des Fluchtverhaltens von Sauen nach Drückjagden in unterschiedlichen Lebensräumen und damit auch der Abschätzung des Infektionsrisikos

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