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Literaturstudie zum Gänsemanagement in Europa als Grundlage für ein Gänsemanagement in Niedersachsen

Projektdaten

Projektleitung: Prof. Prof. h. c. Dr. Ursula Siebert
Wiss. Bearbeitung: Dr. Oliver Keuling
Projektdauer: 01.04.2014 - 31.12.2014
Förderung: Landesjägerschaft Niedersachsen e.V.

Projektbeschreibung

 

Die Gänsepopulationen in Niedersachsen sind in den letzten Jahrzehnten stark angestiegene und erreichen lokal sehr hohe Zahlen, sowohl bei den Wintergästen wie auch bei den Brutvögeln. Gleichzeitig besteht aufgrund verschiedener internationaler Konventionen die Verpflichtung, die Zugvogelarten in Europa auf internationaler Ebene zu schützen und zu managen. Das führt zu Konflikten zwischen Natur- und Artenschutz auf der einen sowie Landwirtschaft, Jagd und Tourismus (Verkotung an Seen etc.) auf der anderen Seite.

Ziel der Studie war anhand eine Literatursichtung eine Grundlage für die Versachlichung der Diskussion um das Management der Gänsearten in Niedersachsen zu liefern.

Permanentes Monitoring der gesamten „flyway-Populationen“ ist wichtig für die Erstellung und Anpassung von Managementplänen. Das internationale Monitoring ist aufgrund der Vielzahl von beteiligten Nationen schwierig. Daher ist das System noch lückenhaft. Empfohlen wird ein gezieltes Monitoring der einzelnen Arten inkl. seltener Arten und Neozoen über die Grenzen der Vogelschutzgebiete und traditioneller Zählflächen hinaus ergänzt durch die Wildtiererfassung in Niedersachen und Sommerzählungen der Jäger. Jagdstrecken müssen artgenau erfasst werden.

Eine systematische Inventur der Schäden fehlt. Daher lässt sich über die tatsächliche Höhe der Schäden wenig sagen. Die Schadenschätzung von 7-17 Millionen € in Deutschland fällt zunächst moderat aus. Für einzelne betroffene Landwirte ist dieses jedoch äußerst bedeutsam. Ökologische und „touristische“ Schäden sind nur lokal und von geringer Bedeutung. Ein Schadens- und Faktorenmonitorung sollte das Gänsemonitoring ergänzen. Zusätzlich zum Monitoring können wissenschaftliche Programme hilfreich sein.

Beinahe alle Gänsearten haben im Zeitraum von 1950 bis 2000 im westlichen Europa zugenommen. Einige Arten haben die Kapazitätsgrenze derzeit anscheinend erreicht. In Summe aller Arten hat die Anzahl der Gänse in Europa zugenommen. Einige Arten sind im Gesamtbestand stabil geblieben, haben jedoch aufgrund landwirtschaftlicher und klimatischer Veränderungen Ihre Zugrouten und Überwinterungsplätze verlagert. Hierdurch haben die Bestände insbesondere in Niedersachsen und benachbarten Regionen zugenommen. Trotz der lokal hohen und Schäden verursachenden Dichten handelt es sich bei den Gänsen um biologisch kleine Gesamtpopulationen.

Die Graugans befindet nach erfolgreichen Wiederansiedlungsprojekten in Mitteleuropa derzeit immer noch in einem starken Aufwärtstrend. Die wiederangesiedelten Populationen haben ein verringertes Zugverhalten und sind z.T. ganzjährig standorttreu. Die Saatgans ist insgesamt weitgehend stabil geblieben. Während die Tundrasaatgans zugenommen hat, ist die Waldsaatgans in den letzten Jahren in einem starken Abwärtstrend. Die Kurzschnabelgans, insbesondere die Spitzbergen-Population, hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen, so dass diese Art wieder vermehrt jedoch in kleiner Zahl in Niedersachsen rastet. Die Blässgans ist im Gesamtbestand weitgehend stabil geblieben und scheint die Kapazitätsgrenze erreicht zu haben. Durch Verlagerungen der Rastgebiete hat eine Massierung in Westeuropa stattgefunden. Die Zwerggans befindet sich aufgrund von Brutplatzverlusten und hoher Altvogelmortalität, insbesondere durch illegale Bejagung in Osteuropa, in einem starken Abwärtstrend. Die für Niedersachsen relevante in Schweden wiederangesiedelte Teilpopulation ist insbesondere durch Prädation im Brutgebiet stark gefährdet. Weißwangengans und Ringelgans haben nach Tiefstzahlen im frühen 20. Jahrhundert stark zugenommen. Die Ringelgans hat inzwischen die Kapazitätsgrenze erreicht und sich nach einem Höchstwert nun auf geringerer Zahl eingependelt, die sehr anpassungsfähige Weißwangengans nimmt weiterhin zu und brütet auch bereits in Niedersachsen. Kanadagans und Nilgans nehmen derzeit weiter zu und breiten sich in ganz Niedersachsen aus.

Die Brutpopulationen von Grau-, Kanada- und Nilgans haben in Niedersachsen stark zugenommen.

Anhaltende intensive Störungen im Frühjahr, insbesondere auf den Zug-Ratsgebieten, können sich negativ auf den Bruterfolg der arktischen Gänsearten auswirken. Gemäßigte Störungen durch Tourismus, Landwirtschaft, Vergrämung und nachhaltiger, moderater Jagd im Herbst haben keinen nennenswerten Einfluss auf die Populationen. Die Störungen können jedoch durch erhöhten Energiebedarf und Dichtekonzentrationen insbesondere im Frühjahr die Schäden in der Landwirtschaft steigern, wenn keine passenden Ausgleichsflächen (günstig gelegen, hohe Nahrungsqualität, tradiert, Ruhe/Schutz) angeboten werden. Beides dürfte in Niedersachsen nicht zutreffen, da keine Frühjahrsjagd stattfindet und die Bejagung im Herbst und Winter nur geringen Störungseffekt zu haben scheint.

Jagd alleine ist kein ausreichendes Managementtool (auch bei Brutpopulationen), andererseits könnte sie unter bestimmten Voraussetzungen Populationen gefährden. Als nachhaltige Nutzung, wie im niedersächsischen Reviersystem betrieben, ist Jagd jedoch zulässig sofern die Erhaltungszustände der Arten dieses erlauben, und kann als Ergänzung anderer Managementmethoden dienen.

Zum Schutz der Zwerggans und der Waldsaatgans sollte die Bejagung anderer Arten an das Vorkommen dieser Arten angepasst werden. Zum Schutz der Individuen vor Verletzungen bei der regulären Bejagung, zur Vermeidung von Verwechslungen aber auch zur Steigerung der Jagdeffizienz (verbesserte Trefferquote) sollten die Schussdistanz 25m nicht überschreiten und bei möglichst guten Lichtbedingungen gejagt werden. So könnte die Jagd am Lockbild gefördert und dem Morgen- und Abendstrich vorgezogen werden. Wildruhezonen werden auch schon von anderen Autoren zum Schutz von Zugvögeln und zur Steigerung der Bejagungseffizienz außerhalb dieser Schutzzonen empfohlen.

Es sind internationale Managementpläne für alle Zugvogelarten erforderlich, dieses ist jedoch bisher kaum umgesetzt. Bei den Gänsen ist es zusätzlich erforderlich, für die lokalen Vorkommen Managementeinheiten zu bilden, die eigene, lokal angepasste Managementsysteme unter Einbeziehung der betroffenen Interessengruppen innerhalb der internationalen Maßgaben etablieren. Die Managementeinheiten müssen auch zwischen einander gut koordiniert werden. Als funktionierende Systeme haben sich Vergrämung/Vergrämungsjagd auf bewirtschafteten Flächen in Kombination mit ungestörten Ausgleichsflächen herauskristallisiert. Diese Ausgleichsflächen sollten zur Bereitstellung hoher Nahrungsqualitäten speziell für Gänse bewirtschaftet sein, Vertragsnaturschutz und Kompensationszahlungen sollten für die Bereitstellung solcher Flächen gezahlt werden. Bei Brutpopulationen ist ein kombiniertes Management mit Reproduktionskontrolle, gezielter Bejagung und Flächenmanagement angeraten.

Die Kosten für Managementsysteme müssen gesellschaftlich akzeptabel sein und sollten daher die Kosten der Schäden nicht übersteigen.


Ansprechpartner

Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Bischofsholer Damm 15

30173 Hannover

 

Dr. Oliver Keuling

Tel.: +49 511 856-7396

Fax: +49 511 856-827569

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