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Im Gedenken

 

Im Alter von 89 Jahren verstarb am 2. August 2020 Prof. Dr. med. vet. Konrad Bögel. Konrad Bögel kann mit Fug und Recht als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der veterinärmedizinischen Epidemiologie in Deutschland bezeichnet werden. Wer war Konrad Bögel? Und welche Bedeutung hatte er für das Fach und für junge wie alte Kolleginnen und Kollegen, die in diesem Fach arbeiteten?

 

Kurz skizziert ist die Vita von Konrad Bögel klassisch oder vielleicht normal im Sinne der vielfältigen Möglichkeiten, die ein Veterinärmedizinstudium bietet. So studierte er zunächst Tiermedizin in Wien und München, arbeitete eine Zeitlang als Veterinärpraktikant bei einem Lehrtierarzt in der Rinderhaltung sowie als Volontärtierarzt im staatlichen Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart. Schnell zog es ihn aber in die Labormedizin, und er war als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bundesforschungsanstalt für Viruserkrankungen der Tiere (heute Friedrich-Loeffler-Institut) in Tübingen von 1958 bis 1968 tätig. Diese Zeit war die Zeit des Aufbruchs der modernen Virologie. Es wurden Lebendimpfstoffe entwickelt und patentiert, und es wurden ätiologische und epidemiologische Untersuchungen durchgeführt, um beispielsweise das Auftreten von IBR und anderen Tiererkrankungen zu untersuchen. Schnell hat sich Konrad Bögel in dieser Zeit einen Ruf als praktischer Forscher entwickelt und auch eine Anerkennung als Fachtierarzt für Mikrobiologie und Serologie im Jahr 1964 erhalten. Letztendlich habilitierte er sich auch in diesem Bereich zum Privatdozenten für Mikrobiologie und Tierseuchen an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, indem er zur Rolle der normalen Antikörper in der mangelhaften Immunantwort bei Schweinen auf MKS-Impfungen habilitierte.

 

Basierend auf diesem Wissensstand trieb es Konrad Bögel dann aber um, und er wechselte komplett in einen anderen Arbeitsbereich, nämlich als Wissenschaftler in die Weltgesundheitsorganisation in Genf, wo er abschließend zum Leiter der Veterinary Public Health Abteilung aufgestiegen ist und bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1992 arbeitete. Hier kümmerte er sich um eine Vielzahl von verschiedenen Erkrankungen, wie die europäische Wildtollwut, bekämpfte diese durch Aufbau internationaler Strategien und führte durch verschiedene Impulse die Betreuung von Dissertationen und anderen wissenschaftlichen Projekten fort. Letztlich ist durch seinen persönlichen Einsatz auch zu verdanken, dass in Deutschland einschlägige WHO Collaborating Centres an tierärztliche Bildungs- und Forschungsstätten vergeben wurden. Und das passierte - Konrad Bögels Denken kannte keine Grenzen - im Westen wie im Osten, an der Tierärztlichen Hochschule in Hannover für Veterinäraufgaben im öffentlichen Gesundheitswesen, am Institut für bakterielle Tierseuchenforschung in Jena, an der Tierärztlichen Fakultät in München für vergleichende Virologie, an der Bundesforschungsanstalt für Viruserkrankungen der Tiere in Tübingen für Tollwut und Am Institut für veterinärmedizinische Epidemiologie in Wusterhausen.

 

Damit nicht genug, hat Konrad Bögel schnell erkannt, dass die Epidemiologie hier eine wichtige Triebfeder der Auseinandersetzung des Verständnisses von Tiererkrankungen, insbesondere auch in der Interaktion zwischen Mensch und Tier sein kann. Deswegen gründete er einen Förderverein für angewandte Epidemiologie und Ökologie, dessen Aufgabe er insbesondere darin sah, die Basis fortzubilden, also den Veterinärdienst und anderen Kolleginnen und Kollegen, die sich bei ihrer täglichen Arbeit vor Ort mit epidemiologischen Fragen auseinandersetzen müssen. Diese seine Ideen wirken bis zum heutigen Tage fort und so ist dieser Verein auch heute noch ein sichtbares Zeichen der nachhaltigen Wirkung Konrad Bögels.

 

Damit kann man insgesamt sagen, dass Konrad Bögel ein großes epidemiologisches, veterinärmedizinisches Oeuvre hinterlassen hat, das bis zum heutigen Tag fortwirkt. Und so hat seit zehn Jahren die Tierärztliche Hochschule Hannover einen Konrad-Bögel-Preis für Veterinary Public Health ausgelobt, der junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler motivieren soll, die entsprechenden Forschungsergebnisse weiter zu entwickeln und damit im Sinne Konrad Bögels zu verbreiten.

 

Wir haben einen großen Wissenschaftler und Motivator verloren, aber seine Gedanken werden uns weiter anspornen.

 

 

Lothar Kreienbrock, Thomas Blaha

Prof. Bögel verstorben
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