Sie sind hier:

Pressemitteilungen 2016

30.05.2016
Extremes Jagdverhalten macht Schweinswale anfällig für Störungen

Für ihre Untersuchungen statteten die Forscher die Meeressäuger mit Sendern aus. Foto: Monika Dyndo, Fjord & Bælt Centre

Um die Schweinswale mit Sendern auszustatten, mussten die Wissenschaftler sie fangen. Foto: Jonas Teilmann

Schweinswale sind weit verbreitet - so auch in der Ost- und Nordsee. Foto: Jeppe Dalgaard Balle

Internationales Wissenschaftlerteam veröffentlicht Studie über Fressgewohnheiten


Schweinswale zählen zu den kleinsten und am weitesten verbreiteten maritimen Säugetieren. Aufgrund ihrer geringen Größe von etwa anderthalb Metern und einem Gewicht von durchschnittlich 50 Kilogramm, müssen sie, um in den vergleichsweise kalten Gewässern, in denen sie heimisch sind, ausreichend Nahrung zu sich nehmen, damit sie ihre Körpertemperatur aufrecht erhalten können. Eigentlich leben eher größere Wale in kalten Gewässern – aufgrund ihrer Körpermasse ist es für sie leichter, nicht zu unterkühlen.

 

Bisherige Studien mit Sendern ließen darauf schließen, dass Schweinswale unregelmäßig fressen. Diese Erkenntnis passte aber nicht zu den vielen kleinen Fischen, die in den Mägen gestrandeter Schweinswale gefunden wurden. In der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Current Biology berichten Wissenschaftler aus Deutschland, Dänemark und Schottland, dass Schweinswale Tag und Nacht durchgehend kleine Fische mit weniger als fünf Zentimetern Länge jagen. Sie fangen etwa 3.000 Fische am Tag. Das entspricht einer Erfolgsrate von über 90 Prozent – Schweinswale gehören damit zu den erfolgreichsten bekannten Raubtieren.

 

Schweinswale orientieren sich im Wasser über die Echoortung. Dafür senden die Tiere Schallwellen aus, die von der Umgebung reflektiert werden. Kommt das Echo zu ihnen zurück, erhalten sie ein Bild der Umgebung. Für ihre Untersuchungen statteten die Forscher die Meeressäuger mit Sendern aus. Sie befestigten sie an Schweinswalen mit Saugnäpfen, um das Echolot und das entsprechende Echo, das von den Beutetieren zurückkommt, aufzunehmen. So konnten die Wissenschaftler messen, wie häufig die Schweinswale versuchten, Fische zu fangen, welche Größe die Fisch hatten und ob sie entkommen konnten.

 

Bearbeitet wurde die Studie von Danuta Wisniewska, Wissenschaftlerin an der Universität Aarhus in Dänemark. Sie sagt: „Das Jagen in der freien Wildbahn zu studieren ist wichtig für unser ökologische Verständnis, aber es ist auch eine Herausforderung – es ist schwierig gleichzeitig zu erfassen, was der Jäger und was das Beutetier macht. Unsere Studie untersucht erstmals simultan, wie ein marines Säugetier jagt und wie häufig es erfolgreich ist.“

 

Mark Johnson, Wissenschaftler an der Universität St. Andrews in Schottland, entwickelte die Sender, die für die Studie verwendet wurden. Er sagt: „Der Trick war, den Echolotschall abzuhören, den die Schweinswale nutzen, um ihre Umgebung zu erfassen. Die Tiere erzeugen etwa hundert Klicks pro Sekunde, wenn sie sich ihrer Beute näher. Der reflektierte Schall gibt uns unglaublich genaue Informationen darüber, was die Beutetiere machen.“

 

Professorin Dr. Ursula Siebert und Dr. Andreas Ruser aus dem Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) erläutern: „Das Projekt wurde vom Bundesamt für Naturschutz finanziert und von der TiHo koordiniert.“ Beteiligt war zudem die Süddänische Universität. Ein Ziel der Studie ist, zu verstehen, wie dichter Schiffsverkehr, Fischerei, Ölförderung sowie eine steigende Zahl von Windkraftanlagen und Gezeitenturbinen in den europäischen Gewässern Schweinswale beeinflussen. Obwohl die Fische, die von den Schweinswalen gejagt werden, aufgrund ihrer Größe nicht für die kommerzielle Fischerei interessant sind, landen Schweinswale immer wieder als Beifang in den Fischernetzen. Für einige Populationen ist das die größte Bedrohung. Der Lärm von Schiffen, Bauarbeiten im Meer sowie die Suche nach Öl beeinträchtigt die Schweinswale ebenfalls, wie jüngste Studien zeigen. Peter Madsen, Professor für Zoophysiologie an der Universität Aarhus wirkte ebenfalls an der jetzt veröffentlichten Studie mit, er sagt: „Die Schweinswale sind auf ihre kleinen Beutetiere angewiesen – das macht sie besonders anfällig für Störungen. Pausieren sie über einen längeren Zeitraum mit der Jagd, hat das für sie ernsthafte Konsequenzen.“

 

Die Originalpublikation

Ultra-High Foraging Rates of Harbor Porpoises Make Them Vulnerable to Anthropogenic Disturbance

Danuta Maria Wisniewska, Mark Johnson, Jonas Teilmann, Laia Rojano-Doñate, Jeanne Shearer, Signe Sveegaard, Lee A. Miller, Ursula Siebert, Peter Teglberg Madsen

Current Biology, DOI dx.doi.org/10.1016/j.cub.2016.03.069

 

Kontakt

Professorin Dr. Ursula Siebert

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung

Tel.: +49 511 953-8158

E-Mail senden

 


Kontakt
Sonja von Brethorst
Tel.:+49 511 953-8002
Fax.:+49 511 953-82 8002
Adresse
Pressemitteilungen
Diese Seite