
Ganganalysen sind in der Veterinärmedizin eine essenzielle Untersuchungsmethode zur Erkennung orthopädischer Grundleiden bzw. zur Lokalisation von schmerzhaften Zuständen im Bereich des Bewegungsapparates. Derartige Schmerzen manifestieren sich beim Tier ähnlich wie beim Menschen in eingeschränkten Bewegungsfunktionen, die sich jedoch zum Teil erst unter Belastung diagnostizieren lassen.
In der Kleintiermedizin werden Ganganalysen vor allem beim Hund durchgeführt. Man unterscheidet hier zwischen der konventionellen Gangbildanalyse und der computergestützten Ganganalyse. Die Gangbildanalyse wird im Rahmen des orthopädischen oder neurologischen Untersuchungsganges durchgeführt, wohingegen die computergestützte Ganganalyse erst seit kurzem Einzug in die weiterführenden klinischen Untersuchungen sowie die Grundlagenforschung gefunden hat.
Die Ganganalyse lässt sich biomechanisch in die Kinematik (Bewegung der Körperteile) und die Kinetik (Bewegung und Kraft) einteilen. Überwiegend wird das Gangbild eines Hundes analysiert, um bei unterschiedlichen Rassen Erkenntnisse über die Kraftverteilung oder die Fussungszeiten der einzelnen Extremitäten zu gewinnen und die verschiedenen Gelenkwinkel bei der Bewegung beurteilen zu können. Auch vor und nach orthopädischen Eingriffen kann das Gangbild eines Hundes zur objektiven Bewertung des Erfolges der Operation betrachtet werden. Zusätzlich erlaubt die Ganganalyse eine Kopplung mit der Elektromyographie (EMG) zur Messung der Aktivität der wesentlich an der Bewegung beteiligten Muskeln.
Bei der Analyse des Ganges wird generell zwischen einer Standphase und einer Schwungphase unterschieden. Allgemein wird die Fortbewegung des Hundes, in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit, in Schritt, Trab und Galopp unterteilt. Ein Schritt ist dabei vom Abheben der Pfote einer Gliedmaße bis zum nächsten Heben derselben Pfote definiert. Die dabei zurückgelegte Strecke wird als Schrittlänge bezeichnet. Die Vorwärtsbewegung besteht aus einer rhythmischen Verschiebung des Körperschwerpunktes nach vorne. Eine Herausforderung in der korrekten Analyse des Gangbildes besteht darin, dass die einzelnen Bewegungsphasen der vier Gliedmaßen zeitlich gegeneinander verschoben sind und dass die Bewegungen mit sehr unterschiedlichem Kraftaufwand, in unterschiedlicher Schnelligkeit und unter verschiedenartigem Zusammenspiel erfolgen können.
In der Klinik für Kleintiere der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) wird die Ganganalyse beim Hund mit Hilfe eines speziell angefertigten Laufbandes mit dazugehöriger Software durchgeführt. Das Laufband besteht aus vier Riemen, unter denen jeweils eine Kraftmessplatte eingebaut ist. Mit diesen Kraftmessplatten können die Bodenreaktionskräfte, dass heißt die Kräfte, die während der Bewegung auf den Boden wirken, von jeder Pfote unabhängig gemessen werden. Neben der genannten Besonderheit der separaten und simultanen Messung der Bodenreaktionskräfte aller vier Gliedmaßen ist es darüber hinaus möglich, mit dem Laufband nicht nur die vertikalen Bodenreaktionskräfte, sondern auch die Kräfte in Gangrichtung sowie die medio-lateral wirkenden Kräfte zu untersuchen.
Der Patient wird außerdem mit reflexiven optischen Markern beklebt, so dass der Gang mit Infrarotkameras aufgenommen werden kann. Bei diesen Markern handelt es sich um Styroporkugeln, die mit einer reflektierenden Folie überzogen sind. Diese werden mit doppelseitigem Klebeband auf markante Knochenpunkte geklebt. So können relevante Gelenkwinkel und Schrittlängen berechnet werden. Zusätzlich wird die Untersuchung mit einer DV- Kamera aufgezeichnet. Darüber hinaus ist die gleichzeitige Aufnahme einer Elektromyographie (EMG) zur Messung der Aktivität einzelner an der Bewegung beteiligter Muskeln möglich.
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