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Genombasierter Test auf linksseitige Labmagenverlagerung bei Deutschen Holsteins

Die Labmagenverlagerung ist eine Erkrankung mit hoher genetischer Disposition, die zu großen wirtschaftlichen Verlusten in Milchviehbetrieben führen kann. Am Institut für Tierzucht und Vererbungsforschung wurde nun ein Gentest auf Labmagenverlagerung bei Deutschen Holsteins entwickelt, der für alle Besamungsbullen dieser Rasse empfohlen wird. Auf diese Weise kann mit einer Sicherheit von ca. 80% bestätigt werden, ob von den jeweiligen Bullen genetische Anlagen für Labmagenverlagerung an die Töchter vererbt werden können. Es ist damit möglich, die Prävalenz der Labmagenverlagerung bei Milchkühen signifikant zu senken. Die Dauer der Durchführung des Tests beträgt ca. 8 Wochen und die Kosten liegen bei Einzelproben in der Höhe von 2.500 Euro pro Besamungsbulle. Diese Testkosten reduzieren sich bei größeren Probenmengen folgendermaßen:

 

ab 12   Proben:            1.000   Euro pro Tier

ab 24   Proben:            700      Euro pro Tier

ab 48   Proben:            500      Euro pro Tier

ab 96   Proben:            400      Euro pro Tier

 

Die Gesamt-Probenmenge muss zuvor angekündigt werden und innerhalb eines Zeitrahmens von 2 Wochen im Institut für Tierzucht und Vererbungsforschung eingehen, um die Preisreduktion zu erhalten. Bei deutlich größeren als den genannten Probenmengen und für Landwirte erfolgt eine Preisauskunft auf Anfrage.

 

Kontaktdaten:

 

Prof. Dr. Ottmar Distl

Institut für Tierzucht und Vererbungsforschung

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Bünteweg 17P

30559 Hannover

 

Tel: 0511-9538875

Fax: 0511-9538582

 

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Genombasierter Test auf linksseitige Labmagenverlagerung bei Deutschen Holsteins

 

Die Labmagenverlagerung ist eine wirtschaftlich bedeutsame und erbliche Erkrankung bei Milchkühen. Die Erblichkeit (Heritabilität) für linksseitige Labmagenverlagerung wurde im Schwellenmodell auf 12% bis zu 53% geschätzt (Wolf et al., 2001a, Hamann et al., 2004, Ricken et al., 2004). Der erste Fallbericht einer Labmagenverlagerung stammt aus dem Jahre 1898, doch erst seit den 1950er Jahren - seit der verstärkten Zucht weg von den alten Zweinutzungsrassen hin zu reinen Milchrassen - wurde gehäuft über das Auftreten dieser Erkrankung berichtet. Der Labmagen kann dabei zur linken oder rechten Bauchseite verlagert sein. Die linksseitige Labmagenverlagerung ist mit 85-95% der Fälle die weitaus häufigste Form (Constable et al. 1992). Bei den Holstein Kühen wurde die Labmagenverlagerung besonders intensiv erforscht. Die Prävalenz für linksseitige Labmagenverlagerung lag bei Deutschen Holsteins zwischen 1,2% und 2,6% (Wolf et al. 2001, Hamann et al. 2004), bei US Holsteins sogar bei bis zu 5,5% (Detilleux et al. 1997). Die linksseitige Labmagenverlagerung tritt meist kurz vor der Abkalbung und bis zu acht Wochen nach der Abkalbung auf. Da die Labmagenverlagerung das Allgemeinbefinden, die Futteraufnahme und den Stoffwechsel massiv beeinträchtigt, sind mit dieser Erkrankung auch große wirtschaftliche Probleme verbunden. So ist nach Detilleux et al. (1997) die Milchmenge in den ersten 60 Tagen nach der linksseitigen Labmagenverlagerung im Vergleich zu gesunden Kühen um 557 kg reduziert. Geishauser et al. (1998) untersuchten die Milch-, Fett- und Proteinleistung in der Laktation erkrankter Kühe im Vergleich mit Kontrolltieren. Dabei stellten sie eine Reduktion der Milchmenge um 316 kg sowie eine um 12 kg verringerte Fett- und um 10 kg verringerte Proteinmenge der Milch fest. Ähnliche Werte stellte Ricken (2003) mit einer um 386 kg verminderten Milchmenge und um 12,7 bzw. 13,5 kg verminderten Fett- und Eiweißmengen fest. Bei den Untersuchungen von Wolf et al. (2001) war die Milchmenge in der Laktation mit Labmagenverlagerung im Vergleich zu Korntrolltieren sogar um 1016 kg vermindert. Fettmenge und Proteinmenge waren hier um 41 kg bzw. 36 kg reduziert. Im Durchschnitt gehen zwischen 37.9% und 47,7% aller an linksseitiger Labmagenverlagerung erkrankten Kühe innerhalb eines Jahres nach der Erkrankung aus dem Betrieb ab (Ricken et al., 2005, Wolf et al., 2001a). Dies fällt bei den Abgangsursachen unter den Oberbegriff „Sonstige Gründe“. Die linksseitige Labmagenverlagerung wird in der Regel chirurgisch behandelt, wobei der Labmagen entgast und in der korrekten Position mit der Bauchwand verbunden wird.

Aufgrund der hohen Heritabilität wurde am Institut für Tierzucht und Vererbungsforschung der genetische Hintergrund der linksseitigen Labmagenverlagerung erforscht. Zu diesem Zweck wurden auf der Basis umfangreicher Stichproben aus der gesamten Deutschen Holstein Population hochassoziierte Genomregionen für linksseitige Labmagenverlagerung identifiziert. Diese bieten die Grundlage für einen neuen genombasierten Test für die linksseitige Labmagenverlagerung. Dieser Genomtest ermöglicht es, die erbliche Disposition für die linksseitige Labmagenverlagerung mit einer Sicherheit (r2) von 80% zu identifizieren. Ein Test von Besamungsbullen kann so das Risiko einer linksseitigen Labmagenverlagerung bei dessen Töchtern deutlich verringern. Um den Test durchzuführen werden eine EDTA-Blutprobe von 5 ml oder drei Spermapailletten benötigt.

Literatur

 

Constable, P. D., G. Y. Miller, G. F. Hoffsis, B. L. Hull, and D. M. Rings. 1992. Risk factors for abomasal volvulus and left abomasal displacement in cattle. Am. J. Vet. Res. 53:1184-1192.

 

Hamann, H., V. Wolf, H. Scholz and O. Distl. 2004. Relationships between lactational  incidence of displaced abomasum and milk production traits in German Holstein cows. J. Vet. Med. A. 51:203–208.

 

Detilleux, J. C., Y. T. Gröhn, S. W. Eicker, and R. L. Quaas. 1997. Effects of left displaced abomasum  on test day milk yields of Holstein cows. J. Dairy Sci. 80:121-126.

 

Geishauser, T., M. Shoukri, D. Kelton, and K. Leslie. 1998. Analysis of survivorship after displaced abomasum is diagnosed in dairy cows. J. Dairy Sci. 81:2346-2353.

 

Hamann, H., V. Wolf, H. Scholz, and O. Distl. 2004. Relationships between lactational incidence of displaced abomasum and milk production traits in German Holstein cows. J. Vet. Med. A. Physiol. Pathol. Clin. Med. 51:203-208.

 

Ricken, M. 2003. Labmagenverlagerung beim Rind: Analyse von genetischen Faktoren und ökonomischen Auswirkungen auf die Milchproduktion. Dissertation, Tierärztliche Hochschule Hannover.

 

Ricken, M., H. Hamann, H. Scholz, and O. Distl. 2004. [Genetic analysis of the prevalence for abomasal displacement and its relation to milk performance traits in German Holstein cows]. Dtsch. tierärztl. Wschr. 111:366-370.

 

Wolf, V., H. Hamann, H. Scholz, and O. Distl. 2001a. [Influences on the occurrence of abomasal displacements in German Holstein cows]. Dtsch. tierärztl. Wschr. 108:403-408.

 

Wolf, V., H. Hamann, H. Scholz, and O. Distl. 2001b. [Systematic influences on the development of abomasal displacements in German Holstein cows]. Züchtungskunde 73:257-265.

 

Hinweise zur Durchführung des Gentests

Der LMV-Test kann über Sperma- oder EDTA-Blutproben erfolgen.

 (1) Verwendung von Sperma-Proben

1.   Bitte senden sie mindestens 3 Spermapailetten des zu testenden Bullen ein. Name und

      Lebens- oder Herdbuchnummer sollten auf der Pailette vermerkt sein. Sollte dies nicht

      der Fall sein, dann senden sie die Proben in einem beschrifteten, verschlossenen

      Röhrchen ein. Das zugehörige Merkblatt (je nach Geschlecht gesonderte Merkblätter)

       vollständig ausfüllen.

2.   Die Proben können ungekühlt versandt werden.

3.   Der Versand sollte möglichst umgehend erfolgen. Keinesfalls jedoch am Freitag oder

      Samstag. In diesem Fall bitte die Pailetten bis Montag eingefroren lassen oder im

Kühlschrank (ca. 4o C) lagern und erst dann versenden.

4.   Falls der Test aufgrund unzureichender Qualität der Proben nicht durchführbar ist, werden

      Sie umgehend informiert.

(2) Entnahme von EDTA-Blutproben

1.   Die Entnahme des Blutes soll möglichst steril erfolgen

2.   Das Probenröhrchen muss den Gerinnungshemmer EDTA enthalten.

      3.   Es sollten mindestens 5 ml Blut vom Tierarzt entnommen werden.

4.   Bitte die Probe mit der Identität des Rindes beschriften und das dazugehörige

      Merkblatt (je nach Geschlecht gesonderte Merkblätter) vollständig ausfüllen.

5.   Der Versand sollte möglichst umgehend erfolgen. Keinesfalls jedoch am Freitag oder

      Samstag. In diesem Fall bitte das Blut bis Montag im Kühlschrank (ca. 4o C) lagern und

      erst dann versenden.

6.   Falls der Test aufgrund unzureichender Qualität der Proben nicht durchführbar ist, werden

      Sie umgehend informiert.

  

Versand der Proben bitte an:

 

Prof. Dr. Ottmar Distl

LMV-Test

Institut für Tierzucht und Vererbungsforschung

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Bünteweg 17p

30559 Hannover

 

Telefon: 0511-953-8876

Fax:       0511-953-8582

 

E-Mail schreiben

(3) Rechnung

Die Rechnungsstellung erfolgt sofort nach Eingang der Proben zusammen mit der Eingangsbestätigung an den Tierbesitzer bzw. den Ansprechpartner der Besamungsstation.

Für die Durchführung des Tests ist die Bezahlung des Rechnungsbetrags vorab per Überweisung erforderlich. Kosten für den LMV-Test belaufen sich pro Rind auf:

 

1          Probe:              2.500   Euro pro Tier

ab 12   Proben:            1.000   Euro pro Tier

ab 24   Proben:            700      Euro pro Tier

ab 48   Proben:            500      Euro pro Tier

ab 96   Proben:            400      Euro pro Tier

            

(4) Testergebnisse

Für die Durchführung des Tests ist in der Regel eine Zeitspanne von etwa acht Wochen erforderlich. Bitte beachten Sie jedoch, dass der Testzeitraum je nach Qualität der Probe variieren kann. Die Ergebnisse werden streng vertraulich behandelt und dem Einsender schriftlich übermittelt.

Der Untersuchungsauftrag schließt eine wissenschaftliche Verwertung der Ergebnisse mit ein. Bei Verwendung der Daten für wissenschaftliche Zwecke werden alle Angaben anonymisiert, so dass keine Rückschlüsse auf die Identität des Rindes, des Besitzers und des Züchters möglich sind.

 


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Einsendeformular Kühe
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Anschrift
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Bünteweg 17p
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Fax.:+49 511 953-8582
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