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Lundehundsyndrom

Gentest für das Lundehundsyndrom

 

Das Lundehundsyndrom ist eine schwerwiegende gastro-enteropathische Erkrankung für die der Lundehund eine Rassendisposition besitzt. Das Syndrom umfasst chronisch-entzündliche Defekte des Darms, Proteinverlust-Enteropathien (PLE), Lymphgefäßausweitungen im Darm sowie Magenprobleme. Betroffene Hunde reagieren unterschiedlich stark auf die Störungen im Magen-Darmtrakt mit Erbrechen, Durchfall, Gewichtsverlust bis hin zur Apathie. Eine Euthanasie ist in schwere Fällen bzw. bei einem anhaltenden chronischen Verlauf der Erkrankung häufig unumgänglich. 

 

Das Institut für Tierzucht und Vererbungsforschung hat die genetische Ursache für diese Problematik untersucht und in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift "BMC Genomics" publiziert. Es konnte eine kausale Mutation in dem Gen LEPREL1 nachgewiesen werden, die zu einer Veränderung des Proteins führt und damit als ein Auslöser des Lundehundsyndroms wirkt. Das Erkrankungsalter ist sehr variabel, einige Hunde erkranken erst in einem Alter von 10 Jahren an dem Lundehundsyndrom. Daher ermöglicht der Nachweis der Mutation eine Früherkennung der Problematik und kann Hundezüchtern gezielte Zuchtentscheidungen zur Vermeidung der Erkrankungermöglichen.

 

Folgende Testergebnisse sind möglich:

N/N      Anlagefrei; Keine Disposition für das Lundehundsyndrom

N/LS    Anlageträger für eine Disposition für das Lundehundsyndrom

LS/LS  Merkmalsträger; Disposition für das Lundehundsyndrom ist vorhanden

   

Der Test ermöglicht eine Einschätzung des Risikos, dass der Hund am Lundehundsyndrom erkrankt und kann die mögliche Weitergabe einer Disposition an die Nachkommen bei untersuchten Eltern abschätzen.

 

Das Formular zur Anforderung des TiHo-Lundehundsyndrom-Gentests und ein Informationsblatt zur Blutprobenentnahme sowie den Versand der Proben finden Sie hier:

Einsendebogen Lundehundsyndrom

 

 

Genetische Diversität von Lundehunden

 

Der Lundehund ist eine in ihrem Bestand gefährdete Hunderasse.

 

Das Institut für Tierzucht und Vererbungsforschung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover nimmt sich deshalb dieser Rasse besonders an, untersucht die genetische Diversität dieser Rasse sehr intensiv und entwickelt Erhaltungszuchtprogramme.

Unser Institut steht auch in Kontakt mit Frau Claudia Melis, Centre for Conservation Biology, Department of Biology, Norwegian University of Science and Technology, 7491, Trondheim, Norway. Frau Melis hat die Daten von Lundehunden aus Norwegen unserem Institut für Auswertungszwecke zur Verfügung gestellt.

Die Ergebnisse zeigen sehr deutlich die Reduktion der genetischen Diversität bei dieser Rasse. Die von uns angewandten Methoden zur Bestimmung der genetischen Diversität berücksichtigen die auf dem Canine Illumina High Density Beadchip verfügbaren SNPs (single nucleotide polymorphisms, Einzelbasenpaaraustäusche) und gewährleisten so einen sehr tiefen Einblick in den Polymorphiegrad des gesamten Genoms. Diese Daten ermöglichen es dem Züchter den Grad der Diversität für jeden einzelnen Hund unabhängig von den Pedigreedaten zu bestimmen und daraus einen genomischen Inzuchtgrad anzugeben. Eine derartige Analyse gibt den Anteil des Genoms an, der keine Diversität (Polymorphie) bei dem einzelnen Tier aufweist. Bei der Anpaarungsplanung kann auf der Basis dieser Daten vorhergesagt werden, wie groß bei den potenziellen Paarungspartnern die gemeinsamen Anteile des Genoms sind, die keine Variabilität bei den Nachkommen erwarten lassen. Diese Genombereiche sind bei beiden Paarungspartnern in vollem Umfang ohne polymorphe Bereiche. Der genomische Inzuchtgrad erfasst bei weitem mehr weiter zurückliegende Generationen als der über Pedigreedaten berechnete Inzuchtkoeffizient. Für den über Pedigreedaten berechneten Inzuchtkoeffizienten gibt es keine Standardisierung oder allgemein gültige anzustrebende Grenzwerte. Beim Lundehund ist die Anwendung des Inzuchtkoeffizienten aus Pedigreedaten besonders problematisch, da hier Inzucht weit zurückliegt und bereits ingezüchtete Hunde zu einer dramatischen Inzuchtsteigerung beitragen können, die bei unvollständigen Pedigrees nicht erkannt werden kann. Das von uns verwendete Verfahren zur Bestimmung der individuellen genetischen Diversität überwindet die sehr großen Limitierungen der Pedigree-Daten abhängigen Inzuchtkoeffizienten.  

 

Wir konnten keine wissenschaftlichen Hinweise finden, dass die Lundehundpopulation auf zwei Gründertiere zurückzuführen ist. Diese Überlieferung findet sich in vielen Texten im Web, wissenschaftliche Belege stehen aus. Würde diese Annahme stimmen, müsste sich die Inzucht in jeder Generation entsprechend einer Exponentialkurve erhöhen.

 

Anschrift
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Institut für Tierzucht und Vererbungsforschung
Bünteweg 17p
30559 Hannover
Geschäftszimmer
Institutsdirektor
Prof. Dr. Ottmar Distl
Tel.:+49 511 953-8875
Fax.:+49 511 953-8582
Labor für Molekulargenetik
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