
Nach Schätzungen des Borreliose Bunds Deutschland verursachen Borrelien in Deutschland pro Jahr etwa 240.000 Neuinfektionen und etwa 60.000 Neuerkrankungen beim Menschen. Die Dunkelziffer ist vermutlich hoch, denn die Borreliose gehört zu den häufig übersehenen Infektionskrankheiten. Die vielfältige und oftmals unspezifische Symptomatik der Borreliose macht die Diagnose der Erkrankung sehr schwierig. Frühsymptome der Infektion werden oft übersehen. Der Antikörpernachweis ist unsicher. Gerade eine frühzeitige Diagnose ist jedoch wichtig für eine erfolgreiche Behandlung.
Unsere Untersuchungsergebnisse des Jahres 2007 zeigen, dass zwischen März und Oktober bei 16 bis 30 % der untersuchten Zecken Borrelien nachweisbar waren.
Die Kenntnis, ob die stechende Zecke mit Borrelien infiziert war, hilft, das eigene Infektionsrisiko einzuschätzen. Nach einem Stich einer von Borrelien befallenen Zecke beträgt das Infektionsrisiko statistisch gesehen bis zu 30 %. Eine positives PCR-Ergebnis beweist, dass die stechende Zecke Träger von Borrelien war und ein erhöhtes Infektionsrisiko für den Gestochenen besteht. Ob es tatsächlich zu einer Borrelien-Infektion gekommen ist, hängt wesentlich von der Länge des Befalls ab. Die Wahrscheinlichkeit einer Erreger-Übertragung nimmt ab 16-24 Stunden Saugdauer deutlich zu. In jedem Fall muss besonders aufmerksam auf mögliche Symptome der Borreliose geachtet werden. In Zweifelsfällen sollte der Hausarzt aufgesucht und das weitere Vorgehen (mögliche Symptome, ist eine Antibiotika Behandlung sinnvoll, etc.) besprochen werden.
Bei einem negativen PCR-Ergebnis konnte keine Borrelien-DNA in der Zecke gefunden werden. Obwohl trotz der hohen Testsicherheit eine Infektion nicht mit 100%-iger Sicherheit ausgeschlossen werden kann, ist das Infektionsrisiko sehr gering!
Die prophylaktische Antibiotika Gabe nach Zeckenstichen ist umstritten, da wie schon dargestellt, auch bei positiven Zecken nicht jeder Stich zu einer Infektion führt. Ist jedoch eine Infektion erfolgt, besteht Einigkeit darüber, dass eine Borreliose möglichst frühzeitig und ausreichend mit Antibiotika behandelt werden muss, da eine erfolgreiche Therapie mit Fortschreiten der Erkrankung sehr viel schwieriger ist oder sogar unmöglich wird.
Nach einer Infektion wird i.d.R. eine längerfristige Therapie mit einem wirksamen Antibiotikum empfohlen. Unter bestimmten Bedingungen (u.a. frühzeitige Entdeckung der Zecke) kann jedoch auch eine sofortige, kurzzeitige Antibiotikaverabreichung die Ansiedlung der Erreger verhindern. Informationen dazu erhalten Sie von Ihrem Hausarzt.
Ob letztlich eine prophylaktische Antibiotika Gabe als sinnvoll erachtet wird, hängt von der persönlichen Risikoeinschätzung und der Beratung durch den Hausarzt ab.
Nach einem Zeckenstich sollte die Zecke vorsichtig und fachgerecht entfernt und zur Untersuchung in einem stabilen Behältnis verschickt oder gebracht werden. Da das Erbgut (DNS) der Borrelien mittels PCR nachgewiesen wird, ist es unerheblich, ob die Zecke zum Untersuchungszeitpunkt noch lebt oder nicht.
Annahme von Zecken zur Untersuchung: Institut für Parasitologie, Tierärztliche Hochschule Hannover, Bünteweg 17, Gebäude 217, IV. Stock rechts, Tel. 0511-953 8793.
Untersuchungskosten: 30,-- € zzgl. MWSt. Untersuchungsauftrag (PDF File).
Institut für Parasitologie
Bünteweg 17
30559 Hannover
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