
Das heutige Institut für Mikrobiologie und Tierseuchen wurde 1901 als Institut für Hygiene gegründet. Das Institut unter der Leitung von Prof. Karl Dammann bezog im selben Jahr das Gebäude am damals neuen Standort der Tierärztlichen Hochschule Hannover am Bischofsholer Damm, in dem es sich bis heute befindet. Die damaligen Arbeiten befassten sich vor allem mit Milzbrand und Rindertuberkulose, zwei Erkrankungen die zu dieser Zeit von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung in der Landwirtschaft waren. Nach der Pensionierung von Prof. Dammann im Jahr 1912 übernahm Prof. Hermann Miessner die Leitung des Instituts. Unter seiner Leitung wurden neben den weiter bestehenden Schwerpunkten auch Jungtierkrankheiten sowie Geflügel- und Pelztierkrankheiten bearbeitet. Im Jahr 1935 wurde dann die Parasitologie als eigenständiges ätiologisches Arbeitsgebiet mit der Schaffung einer Professur für Parasitologie und Zoologie aus dem Institut ausgegliedert. Nach der Pensionierung von Prof. Miessner im Jahr 1938 wurde Prof. Kurt Wagener neuer Leiter des Instituts.
Nach dem Krieg wurde das stark beschädigte Institut ab 1953 planmässig wiederaufgebaut. Die zunehmende Bedeutung der Geflügelhaltung führte 1960 zur Etablierung eines eigenständigen Instituts für Hygiene und Geflügelkrankheiten. 1964 wurde ein eigenständiges Institut für Virologie gegründet, und in den folgenden Jahren wurden die Epidemiologie und die Tierhygiene aus dem Institut ausgegliedert und das Institut bekam seine heutige Bezeichnung als Institut für Mikrobiologie und Tierseuchen. Nach der Pensionierung von Prof. Wagener im Jahr 1968 wurde Prof. Wolfgang Bisping neuer Direktor. Unter seiner Leitung wurde das Institut räumlich und personell stark erweitert und bestand nunmehr aus drei Gebäuden und 4 Professuren mit entsprechenden wissenschaftlichen und technischen Mitarbeitern. Gleichzeitig stieg die Studierendenzahl von ursprünglich 500 Studierenden (ca. 70 pro Jahrgang) auf über 2000 Studierende (ca. 250 pro Jahrgang) an. Da die Einrichtungen für Vorlesungen und Übungen nicht erweitert wurden, mussten nunmehr alle Kursusveranstaltungen dreimal wöchentlich abgehalten werden.
Nach der Pensionierung von Prof. Bisping übernahmen zunächst Prof. Karl Heinz Böhm (1995 - 1998) und anschliessend Prof. Gerald-Friedrich Gerlach (ab 1998) die Leitung des Instituts. In dieser Zeit wurde - ausgelöst durch die Innovationsoffensive des Landes Niedersachsen - die Zahl der Professuren zunächst auf drei und nach Ausscheiden von Prof. Böhm auf zwei reduziert. Unter der Leitung von Prof. Gerlach wurde die Zahl der wissenschaftlichen und technischen Mitarbeiter um ein Drittel verringert und die Häuser II und III wurden weitgehend abgegeben. Gleichzeitig wurden alle Laboratorien im historischen Haupthaus renoviert und werden damit den heutigen Anforderungen gerecht. Die zuvor in 5 Arbeitsgruppen durchgeführten diagnostischen Arbeiten wurden in einem zentralen diagnostischen Labor konzentriert; dabei wurde die gesamte serologische Diagnostik sowie die Herstellung bestandsspezifischer Impfstoffe in ein privatwirtschafltich arbeitendes An-Institut (Gesellschaft für Innovative Veterinär-Medizin mbH [IVD-GmbH]) ausgelagert, das im ehemaligen Haus II des Instituts für Mikrobiologie unterbracht ist. Gegenwärtig befindet sich ein Zentrum für Infektionsmedizin (Department of Microbiology) in Gründung, dem die Institute für Mikrobiologie und Tierseuchen, für Parasitologie und für Virologie angehören werden.
Die heutige Forschung des Instituts für Mikrobiologie und Tierseuchen ist auf Erkrankungen bei landwirtschaftlichen Nutztieren fokussiert und beschäftigt sich vor allem mit der Bakterien-Wirts-Interaktion bei der Paratuberkulose der Rinder sowie den Actinobacillus-, Brachyspira-, Clostridium-, und Streptococcus-Infektionen bei Schweinen. Im Rahmen dieser Arbeiten besteht durch die Beteiligung an zwei Sonderforschungsbereichen und einem Graduiertenkolleg eine enge Zusammenarbeit mit den Fachvertretern an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Universität Hannover sowie mit der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) in Braunschweig.
In der Lehre betreut das Institut für Mikrobiologie und Tierseuchen ca. 250 Studierende der Tiermedizin pro Jahr in einem mit den Instituten für Virologie und Immunologie gemeinsam abgehaltenen infektions-diagnostischen Kursus und in Vorlesungen zur Infektionsmedizin und zur Tierseuchenbekämpfung. Weiterhin werden ein zweiwöchiges Pflichtpraktikum für ca. 40 Studierende der Biochemie sowie verschiedene Wahlpflicht-Praktika für Studierende der Biologie abgehalten. Darüber hinaus hat das Institut ein umfangreiches Angebot an Wahlpflichtveranstaltungen und ist an der Graduiertenausbildung (PhD-Studium) beteiligt.
Durch die Gründung eines Zentrums für Infektionsbiologie zusammen mit der MHH, der Universität Hannover und der GBF im September 2002 wird angestrebt, auch in der Lehre die interuniversitäre Zusammenarbeit weiter zu verbessern und somit trotz gleichbleibend hoher Studierendenzahlen bei erheblich reduziertem Personalbestand den wachsenden Anforderungen in der Lehre gerecht zu werden.
Die diagnostische Dienstleistung stellt nach wie vor eine zentrale Aufgabe des Instituts für Mikrobiologie und Tierseuchen dar. So werden jährlich mehrere Tausend Einsendungen aus den verschiedenen Hochschulkliniken und dem Institut für Pathologie sowie von Einsendern ausserhalb der Hochschule untersucht. Dabei reicht das Spektrum der Einsendungen von Organmaterial bis hin zu Futter- und Umweltproben, die mit kulturellen, biochemischen, serologischen und molekularbiologischen Methoden auf aerobe und anaerobe Bakterien, Mykobakterien, Mykoplasmen und obligat intrazelluläre Erreger und Pilze hin untersucht werden. Um die Kompetenz und Leistungsfähigkeit des diagnostischen Labors auch zukünftig sicherzustellen, ist es akkreditiert und hat ein Labor der Sicherheitsstufe L3.
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