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Letale Hämorrhagische Diathese (BLHD) bei Kälbern in Deutschland
Seit Oktober 2007 wurden dem Institut für Tierzucht und Vererbungsforschung gehäuft Kälber gemeldet,
die infolge einer massiven Blutungsneigung („Blutschwitzen“) verendeten. Bislang wurden allein unserem Institut 60 Fälle gemeldet. Die Erkrankung ist mittlerweile in ganz Deutschland verbreitet und zu einem großen Problem für Rinderhalter geworden.
Die Ursache der Blutungsneigung bei den Kälbern ist bislang unklar.
In der Regel erkranken die Kälber im Alter von zwei bis drei Wochen. Die Tiere entwickeln sich in der ersten Lebenswoche normal und beginnen dann an verschiedenen Stellen des Körpers zu bluten. Die uns gemeldeten Kälber wiesen als typische Symptome Petechien der Maul- und/oder Genitalschleimhaut,
Hautblutungen, extreme Blutungsneigung nach Injektionen und blutigen Kot auf. Äußere Verletzungen der Haut sind oftmals nicht erkennbar. Einige Tiere zeigen Blutungen in der Gingiva, Petechen am Gaumen oder eine blau-lila Färbung des Flotzmauls. Häufig war als erstes Symptom eine zunehmende Mattigkeit bis hin zu völliger Erschöpfung innerhalb von wenigen Stunden ausgeprägt. Bei Einzelfällen konnte eine Temperaturerhöhung festgestellt werden. Die Mehrheit der gemeldeten Kälber verstarb innerhalb weniger Tage. Durch eine Bluttransfusion konnten einige Kälber gerettet werden und erkrankten nicht erneut.
Pathologisch-anatomische Untersuchungen ergaben bei allen untersuchten Kälbern ähnliche Ergebnisse. Hierzu gehören massive Blutungen in das Unterhautbindegewebe, in die Körperhöhlen, in den Darm und in andere Organe. Depletionen des Knochenmarks und des lymphatischen Gewebes weisen auf eine massive Schädigung hin. Die Zerstörung des Knochenmarks mit mangelhafter Bildung von Blutplättchen kann als Ursache der massivern Blutungen angesehen werden.
Warum es zu dieser massiven Zerstörung des Knochenmarks kommt, ist bislang unklar.
Umfangreiche toxikologische Untersuchungen wurden zum Teil von den betreuenden Bestandstierärzten eingeleitet und waren bislang in jedem Fall negativ. Ebenso konnte kein Zusammenhang mit bekannten Krankheitserregern (Viren, Bakterien) gefunden werden und ein Zusammenhang mit der in Deutschland neu eingeführten Blauzungenimpfung fehlt. Die bislang gemeldeten Fälle lassen eine erbliche Disposition für die Blutungsneigung nicht ausschließen, da viele der uns gemeldeten 60 Fälle in einem verwandtschaftlichen Verhältnis stehen.
Um die Ursachen dieser Todesfälle bei Kälbern schnell klären zu können, ist es wichtig, möglichst alle Kälber mit Blutungen zentral zu melden! So sind die besten Voraussetzungen gegeben, in Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen, die Ursache dieser neuen Erkrankung zu finden und zu bekämpfen!
Bitte melden Sie aktuelle Fälle oder auch Fälle aus der Vergangenheit an:
Prof. Dr. Ottmar Distl
Institut für Tierzucht und Vererbungsforschung
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Tel.: 0511-953 8876
Fax: 0511-953 8582
Email: Geschäftszimmer
Stichwort: Bluter
Das Probenmaterial wird vertraulich behandelt und steht ausschließlich für dieses Forschungsprojekt zur Verfügung. Bitte senden Sie uns Proben der betroffenen Kälber und von deren Eltern und/oder Geschwister. Nähere Informationen dazu können sie dem Merkblatt entnehmen. Wir freuen uns zudem über weitere Informationen zu Fütterung, Behandlung etc., sowie Photos, die Sie per e-mail ans
Geschäftszimmer Stichwort: Bluter senden können.