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Lehre und Forschung auf dem landwirtschaftlichen Mustergut der TiHo

Das Lehr- und Forschungsgut Ruthe (LuFG) bei Sarstedt wurde der Tierärztlichen Hochschule Hannover 1961 im Tausch gegen das frühere Hochschulgut Adendorf (1925-1961) übergeben. Es unterscheidet sich von anderen landwirtschaftlichen Betrieben insbesondere durch seine Zweckbestimmung. Studierenden der Veterinärmedizin werden auf dem Lehr- und Forschungsgut Formen und Aufgaben in der modernen Nutztierhaltung aus Sicht der Praxis vermittelt. Darüber hinaus ermöglicht das Lehr- und Forschungsgut Landwirten, Schulen, Verbrauchern und Politikern einen Einblick in verschiedene Formen moderner landwirtschaftlicher Nutztierhaltung.
Forschung
Verschiedene Institute und Kliniken der TiHo nutzen das Gut für ihre Forschungsprojekte. Die Arbeiten sind vor allem der Gesundheit der Tiere in Abhängigkeit unterschiedlicher Einflussgrößen gewidmet. Im Fokus stehen hier die Genetik der Tiere, die Haltungsbedingungen, die Fütterung und Hygienemaßnahmen. Forciert wurden gerade in den letzten Jahren Forschungsprojekte, in denen es um Fragen des angewandten Tierschutzes, um Umwelteffekte (Emissionen) und um Einflüsse auf die Qualität der von Nutztieren gewonnenen Lebensmittel (Milch, Fleisch, Eier) geht. Ziel ist die Entwicklung wissenschaftlicher Grundlagen für eine Nutztierhaltung, die der Nachhaltigkeit verpflichtet ist. Sie soll den Forderungen des Tier-, Umwelt- und Verbraucherschutzes stärker gerecht werden, ohne die Fragen der Wirtschaftlichkeit außer Acht zu lassen.
Der Nutztierbestand des Lehr- und Forschungsgutes ist für Lehre und Forschung von großem Wert. Seit 1965 bildeten die verschiedenen Nutztiere auf dem Gut für mehr als 60 Doktorarbeiten die wissenschaftliche Grundlage. Zum Tierbestand des Gutes gehören:
80 Milchkühe (Gesamtrinderbestand: 200 Tiere)
90 Zuchtsauen (Verkauf der Absetzferkel an Mäster)
4.500 Legehennen
bis zu 30.000 Plätze für Mastgeflügel.
Auf ungefähr 168 ha Land betreibt das Lehr- und Forschungsgut konventionellen Ackerbau. In erster Linie werden Weizen, Gerste und Zuckerrüben sowie Mais für die Rinderfütterung angebaut. 45 ha Grünland dienen der Gewinnung von Gras-Silagen und Heu und als Weidefläche für die Färsenaufzucht.
Lehr-, Aus- und Weiterbildung
Seit 1964 haben über 10.000 Studierende der Veterinärmedizin auf dem Lehr- und Forschungsgut das vorgeschriebene landwirtschaftliche Pflichtpraktikum absolviert. In Zusammenarbeit mit den Landwirtschaftskammern Hannover und Oldenburg werden regelmäßig Kurse für angehende Landwirte und Tierwirte mit dem Schwerpunkt Nutzgeflügelhaltung angeboten und durchgeführt.
Im Juni 2000 wurde das Mastgeflügelzentrum mit ca. 19.000 Broilern, 4.000 Puten und je 3.000 Moschus- und Pekingenten in Betrieb genommen. Das Zentrum wurde als letzter Teil eines Großprojekts realisiert, in dem das Lehr- und Forschungsgut 1998-2000 vom Land Niedersachsen und der Tierärztlichen Hochschule anlässlich der Weltausstellung in Hannover erneuert und ausgebaut wurde. Der 1997 errichtete Versuchsstall für Legehennen mit seinen drei verschiedenen Haltungsformen unter einem Dach war u. a. Gegenstand eines offiziell anerkannten Expo-Projektes (Ökobilanz der Legehennenhaltung); mehr als 20.000 Besucher aus aller Welt kamen im Expo-Jahr nach Ruthe. Alle Ställe sind mit speziellen Besuchergängen und -fenstern ausgestattet, die einen entsprechenden Einblick in die Stallungen erlauben – aus hygienischen Gründen jedoch ohne direkten Kontakt zwischen Besuchern und Tieren. Beleg für eine hohe Attraktivität der auf dem Lehr- und Forschungsgut etablierten Nutztierhaltung sind nicht zuletzt die auch heute noch hohen Besucherzahlen (4.000 pro Jahr).
Da ein 14tägiges Praktikum in einem landwirtschaftlichen Betrieb mit Nutztieren Voraussetzung für die erste tierärztliche Prüfung ist, nehmen etwa 250 Studierende jährlich an einem Kurs in Haltung, Ernährung und Fütterung sowie Gesundheit, Fruchtbarkeit und Leistung von Nutztieren auf dem Lehr- und Forschungsgut teil. Ein Kursus umfasst 32 Studierende in vier Untergruppen. Jeder Studierende versorgt für einige Tage eine Tierspezies unter der Anleitung erfahrener Tierpfleger. Zwischen den Stallarbeiten in den Vormittagsstunden werden ihnen Kenntnisse in klinischer Arbeit, Fruchtbarkeitsvorsorge Fütterung etc. vom Lehrpersonal der Tierärztlichen Hochschule vermittelt. Die Studierenden wohnen während der Kurse im alten, ehemaligen Domänenpächterhaus, wodurch der Aufententhalt zu einem komfortablen, gut versorgten Ereignis wird.
Besuchen Sie das Lehr- und Forschungsgut
Das Lehr- und Forschungsgut steht interessierten Besuchern jederzeit offen. Gegen eine geringe Gebühr werden individuelle Führungen durchgeführt. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an den Leiter des Lehr- und Forschungsgutes:
Dr. Christian Sürie
Schäferberg 1
31157 Sarstedt
Tel.: (0 50 66) 60 08-0