Univakuoläres (weißes) Fettgewebe

Univakuoläres Fettgewebe wird im Organismus sowohl als Baumaterial als auch als Energie-Depot genutzt.

Als "Baufett" dient es beispielsweise
- in der Orbita und in den Sohlenballen als Polster-, Schutz- und Stützgewebe,
- bei der Anlage der Milchdrüse als Platzhalter,
- bei der physiologischen Rückbildung des Thymus als Ersatzgewebe.
Bei anhaltender Mangelernährung bleibt das "Baufett" unangetastet.

Als " Speicherfett "
- bildet es bei einem Überangebot an Nahrung ausgeprägte Energie-Depots, zum Beispiel in der Unterhaut (Hypodermis ) oder in der Lamina subserosa des Peritoneums,
- wird es sehr intensiv mit Blut versorgt und ist kontinuierlich im Umbau begriffen.
Bei hohem Energiebedarf oder bei anhaltender Mangelernährung werden die Speicherfett-Depots - möglicherweise bis hin zu den sogenannten "serösen Fettzellen " - abgebaut.

Die F a r b e von frischem univakuolären Fettgewebe ist abhängig vom Futterangebot, bei unseren Haussäugetieren aber selten "weiß ". Die gelegentlich zu beobachtende Gelbfärbung beruht auf entsprechendem Karotingehalt des Futters.

Organisation des univakuolären Fettgewebes

Genaugenommen bilden die univakuoläre Fettzellen kein typisches eigenständiges oder autarkes Gewebe, sondern gemeinsam mit lockerem, seltener mit retikulärem Bindegewebe einen Gewebe-Komplex, einen Zweckverband.

Selten sind einzelne oder kleinere Gruppen von Fettzellen in lockeres Bindegewebe eingefügt. Viel häufiger bilden sie große Zell-Ansammlungen , die von lockerem - oder gelegentlich von retikulärem - Bindegewebe umgeben und von Bindegewebssepten in stoffwechselmäßig beherrschbare Läppchen untergliedert sind.

In der Gemeinschaft mit dem univakuolären Fettgewebe fallen dem lockeren Bindegwebe verschiedene Aufgaben zu:

Eine wichtige Rolle spielen beispielsweise die Bindegewebssepten für den Verlauf und die Ausbreitung der Blutgefäße bis zu den einzelnen Fettzellen hin, von denen jede Kontakt zu mindestens einer Kapillare hat.

Auch Nervenfasern erreichen über diese "Bindegewebsstrassen" die Fettzellen.

Andererseits gliedern die Bindegewebssepten das "polsternde Baufett" in elastisch-federnde Kammern - besonders in Bereichen mit starker mechanischer Belastung.

Gewebe-spezifische Zellen

Univakuoläre Fettzellen

Mit einem Durchmesser bis zu 100 mm (!) sind die univakuolären Fettzellen (Adipozyten, Lipozyten) vergleichsweise sehr große Zellen.

Einzeln oder in kleinen Gruppen liegende Fettzellen sind annähernd rund . Aber sie können sich aber verformen und sich bei enger Zusammenlagerung in größeren Gruppen den jeweiligen Platzverhältnissen anpassen .

Ohne Membran-Abgrenzung füllen die eingelagerten L i p i d e (Paraplasma) nahezu den gesamten Zellraum aus und drängen Zytoplasma und Zellkern an die Zellperipherie .

Der schmale, periphere Z y t o p l a s m a -Saum ist lichtmikroskopisch fast nicht zu erkennen. Lediglich in der Umgebung des Zellkerns ist er etwas verdickt.

Eine in dieser Ebene zusammen mit ihrem K e r n angeschnittene Zelle besitzt die typische "S i e g e l r i n g f o r m " . Dieser Zytoplasmabereich ist aber infolge des sehr großen Zell-Durchmessers nur selten angeschnitten.

Auf das P l a s m a l e m m folgt eine selektive G r e n z m e m b r a n aus Glykoproteiden - die der Basallamina entsprechen soll. Den äußeren Abschluß bildet jeweils ein R e t i k u l i n f a s e r - G e f l e c h t (Kollagenfasern vom Typ III).

Interzellularsubstanz

Die Interzellularsubstanz hat in diesem, von den gewebe-spezifischen Zellen dominierten Gewebe funktionell nur intern Bedeutung im Rahmen des Eigenbedarfs.

Grundsubstanz

Zwischen den sehr eng beieinander liegenden univakulären Fettzellen ist gerade soviel Grundsubstanz vorhanden, daß vorrangig der Stoffaustausch zwischen den Kapillaren und den Zellen abgewickelt werden kann.

Es ist nicht bekannt, ob diese Grundsubstanz von den Lipoblasten produziert wird oder ob sie Bestandteil der Interzellularsubstanz des umgebenden lockeren Bindegewebe ist.

Fasern

Jede univakuoläre Fettzelle ist von einen Geflecht aus Retikulinfasern (Kollagenfasern Typ III) umgeben. Es ist unmittelbar an die Grenzmembran angefügt, die aus Glykoproteiden besteht und auf das Plasmalemm der Fettzelle folgt.

Darstellung des univakuolären Fettgewebes

Die bei Routine-Einbettungen verwendeten organischen Lösungsmittel lösen das Fett aus den Zellen heraus, allerdings, ohne daß die Zellen ihr ursprüngliches Aussehen verlieren.

Folglich lassen sich mit Hämalaun-Eosin und mit der Trichromfärbung lediglich die Zell-Silhouetten und Zellkerne sowie die Zellen und Fasern des das Fettgewebe ergänzenden lockeren Bindegewebe darstellen.

Bei Anwendung der Gefrierschnitt-Technik bleibt das Fett dagegen in den Zellen erhalten und kann mit Sudan III bzw. Sudanschwarz (rot bzw. schwarz) oder mit Osmiumtetroxid (schwarz) selektiv angefärbt und nachgewiesen werden.

Histogenese des univakuolären Fettgewebes

Die univakuolären Fettzellen sind mesenchymaler Herkunft.

Heute wird davon ausgegangen, daß sich Mesenchymzellen durch die Einlagerung von Lipiden (Paraplasma) zu fibrozytenähnlichen L i p o b l a s t e n entwickeln.

Histologische Aufnahmen univakuoläreb Fettgewebes

Die Lipide sammeln sich in den Lipoblasten zunächst in Form kleiner Tröpfchen an (multivakuoläres Stadium). Durch weitere Fettzufuhr runden sich die Zellen ab, und die immer größer werdenden Lipidtröpfchen konfluieren schließlich zu einem einzigen großen Fetttropfen.

Inwieweit die Lipoblasten Grundsubstanz bilden, ist unbekannt. Sicherlich sind sie aber für die Genese des Kollagen-III-Fasergeflechts verantwortlich, das jede Fettzelle umgibt.


Plurivakuoläres (braunes ) Fettgewebe

Fettgewebe