Sie sind hier:

AG Löscher

Forschungsschwerpunkte

Experimentelle Epilepsieforschung

 

Im Vordergrund steht die Untersuchung der Prozesse, die für die Entstehung, die Progression und die Pharmakoresistenz von Epilepsien bei Mensch und Tier verantwortlich sind. Das Ziel ist, Ansatzpunkte für bessere pharmakotherapeutische Strategien zur Verhinderung und Behandlung von Epilepsien zu etablieren. Hierfür werden vor allem Tiermodelle eingesetzt, an denen die genannten Prozesse mit Methoden der Zell- und Molekularbiologie sowie Neurophysiologie und Neurochemie untersucht werden. Die Phänotypisierung von Mausmutanten mit epileptischen Anfällen nimmt einen zunehmend größeren Raum in den Untersuchungen zur Etablierung von genetischen Ursachen von Epilepsien ein.

So ist die Arbeitsgruppe auch an der "Forschergruppe 1103: Neurodegeneration und -regeneration bei ZNS-Erkrankungen des Hundes" beteiligt. Ziel dieser interdisziplinär zusammengesetzten Forschergruppe ist es, durch die gemeinsame Untersuchung der Pathogenese degenerativer und regenerativer Prozesse des zentralen Nervensystems bei drei ausgewählten Erkrankungen des Hundes (Epilepsie, Staupe-Virusinfektion, Rückenmarksverletzungen) die Grundlage für die Entwicklung innovativer Therapieansätze zu schaffen. Die Arbeitsgruppe Löscher bearbeitet die Teilprojekte 4 "Neuroprotektion, Entzündungshemmung und Neuromodulation als Strategien zur Epilepsieprävention" und 5 "Zelltransplantation und intrazerebrale Substanzapplikation bei traumatischen Rückenmarkserkrankungen und Epilepsien" (letztere gemeinsam mit PD Dr. C. Radtke aus der Klinik für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie der MHH).

Im von der VW-Stiftung und dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur unterstützten Forschungsverbund N-RENNT (Niedersachsen-Research Network on Neuroinfectiology) untersucht die Arbeitsgruppe von W. Löscher in Kooperation mit mehreren anderen renommierten Arbeitsgruppen in Hannover, Braunschweig und Göttingen die Pathomechanismen viraler Enzephalitis-bedingter Epilepsien. Um neue Strategien zur Therapie und Prophylaxe von neurologischen Erkrankungen wie Epilepsie zu entwickeln, ist ein besseres Verständnis der komplexen Zusammenhänge zwischen ZNS und Infektionserreger nötig. Diese Herausforderung soll durch das neu etablierte N-RENNT Netzwerk angenommen werden, das eine Brücke zwischen Infektionsmedizin und Neurowissenschaften schlägt.

In dem im 7. Forschungsrahmenprogramm der EU geförderten Projekt „EPITARGET“ (Targets and biomarkers for antiepileptogenesis) untersucht die Arbeitsgruppe W. Löscher/M. Bankstahl neue kombinatorische Pharmakotherapien zur Prävention von Epilepsien. Ein weiteres Ziel ist die Erforschung diagnostischer Biomarker für die Identifizierung von Patienten mit einem erhöhten Risiko, nach einem Hirninsult eine Epilepsie zu entwickeln. Diesbezüglich finden in enger Kooperation mit der Arbeitsgruppe von Dr. J. Bankstahl (Labor für präklinische molekulare Bildgebung, Klinik für Nuklearmedizin, MHH) moderne bildgebende Verfahren (µPET/CT, µSPECT/CT, µMRI) Anwendung. Das interdisziplinäre Projekt-Konsortium setzt sich aus Vertretern universitärer Einrichtungen sowie kleiner und mittelständischer Unternehmen aus verschiedenen europäischen Ländern zusammen. „EPITARGET“ wird mit insgesamt 12 Millionen Euro über einen Zeitraum von 5 Jahren gefördert.

Schema der Basalganglien
Schema der Basalganglien

Ein Teil unserer Forschung konzentriert sich auf die Physiologie und Pathophysiologie der Basalganglien und assoziierter Hirnstrukturen bei neurologischen Erkrankungen wie den Epilepsien. Pathophysiologisch steht die Untersuchung der Bedeutung der Basalganglien für die Ausbreitung und Manipulation epileptischer Anfallsaktivität im Vordergrund. Hierbei werden mit verschiedenen Methoden funktionelle Veränderungen auf Netzwerkebene, neuronaler Ebene und subzellulärer Ebene untersucht. Neben diesen pathophysiologischen Studien stehen experimentell-therapeutische Manipulationen im Vordergrund. Hier kommen systemische und lokale pharmakologische Manipulationen, neuronale Transplantationen und hochfrequente tiefe Hirnstimulationen zum Einsatz. Ziel der Studien ist, neue Ansatzpunkte für die Therapie von Epilepsien zu definieren.

Überexpression von Multidrugtransportern an der Blut-Hirn-Schranke
Überexpression von Multidrugtransportern an der Blut-Hirn-Schranke

Im DFG-Projekt Lo 274/10-1 und in der sich anschließenden Verlängerung Lo 274/10-2 (2012-2015) untersucht die AG Löscher die Mechanismen der Pharmakoresistenz von Epilepsien in Tiermodellen für Temporallappenepilepsie sowie mit In-vitro-Modellen. Trotz einer großen Zahl von Antiepileptika mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen sprechen etwa 20-30% aller Patienten nicht zufriedenstellend auf Pharmakotherapie an. Die Mechanismen, die zu einer Pharmakoresistenz führen, sind unzureichend geklärt, so dass es z. Zt. keine rationalen Ansätze zur Entwick­lung neuer Antiepileptika mit besserer Wirkung gegen schwer behandelbare Epilepsien wie der Temporallappenepilepsie gibt. Unter Verwendung von Tiermodellen für pharmakoresistente TLE werden verschiedene Hypo­thesen zur Entstehung von Pharmakoresistenz untersucht und darauf basierend neue pharmakologische Strategien zur Behandlung oder Verhinderung von Pharmakoresistenz getestet, um ein besseres Verständnis und damit neue Überlegungen zur Verbesserung der Epilepsietherapie zu ermöglichen.

 

 

Toxikologie elektromagnetischer Felder

 

Aufgrund epidemiologischer Hinweise auf ein erhöhtes Brustkrebsrisiko von Mensch und Tier bei erhöhter Exposition in elektromagnetischen 50 oder 60 Hertz Feldern wird unter Verwendung eines Brustkrebsmodells an Ratten untersucht, ob und wie derartige Felder die Entstehung von Mammatumoren beeinflussen und welche Mechanismen dieser Wirkung zugrundeliegen. Ausserdem werden Untersuchungen zur Leukämie-fördernden Wirkung von Magnetfeldern durchgeführt. Diese Untersuchungen werden im Rahmen eines EU-Programms (ARIMMORA) gefördert.

Kontakt
Schnell- & Themenzugriffe
Diese Seite