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Geschichte des Chemischen Instituts

Zwei Jahrhunderte Chemie an der TiHo - 100 Jahre am Bischofsholer Damm

von Alfons Schöberl, Gerhard G. Habermehl und Waldemar Ternes    

               

1887 erhielt das Chemische Institut der Tierärztlichen Hochschule offiziell seinen Namen, aber bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Fach Chemie an der damaligen Roßarzneyschule von Ulrich Friedrich HAUSMANN unterrichtet. Mit ihm beginnt die folgende Chronik.

 

Bereits im Jahre 1802 wird in den Jahresberichten der "Königlichen Roßarzneischule" der Chemieunterricht erwähnt, der am alten Standort der Tierärztlichen Hochschule am Clever Tor gehalten wurde. Die Chemie wurde an Hannoverschen Hochschulen zuerst an der Tierärztlichen Hochschule (damals "Königliche Roßarzneischule" genannt) gelehrt.

B. C. v. Spilcker beschreibt in seinem Buch "Historisch-topographisch-statistische Beschreibung der königlichen Residenzstadt Hannover" (Hahn´sche Hof-Buchhandlung, Hannover, 1819, Seite 278) den Unterricht an der "Vieharzneischule" wie folgt:

"In einem Lehrjahre von Michaelis zu Michaelis  werden vorgetragen: die Kenntniß des äußeren Pferdes in Beziehung aus dessen Gesundheit und Tüchtigkeit zu verschiedenen Diensten; die Lehre von dem Bau der Füße der Pferde, sowohl im gesunden, als krankhaften Zustande und dem hiernach einzurichtenden Beschlag; Naturlehre, Chemie und Botanik; Geburtshilfe und Anatomie mit Physiologie verbunden."

Der erste nachweislich belegbare Lehrer, der das Fach Chemie mitbetreute, war Ulrich Friedrich HAUSMANN, geboren 1776. Er trat als Scholar bereits 1794 (im Alter von 18 Jahren) in die Roßarzneischule in Hannover ein. Hausmann ging nach Berlin, um Studien an der dortigen Tierarzneischule durchzuführen. An der Universität Berlin hörte er auch Physik und Chemie. 1798 beendete er die Studien in Berlin und nahm eine Hoftierarztstelle in Weimar an. Ende 1801 wurde Hausmann auf die zweite Lehrerstelle in Hannover berufen, ging 1802 ein halbes Jahr nach Göttingen, um unter anderem Chemie zu hören. Hausmann nahm die Lehre in Chemie auf, mußte aber bereits 1803 mit dem Einrücken der Franzosen in Hannover, von Hannover nach England fliehen.

Carl Begemann

Nach Beendigung der französischen Besetzung Hannovers kam Hausmann im Herbst 1814 an die dann genannte "Königliche Tierarzneischule (TAS)" in Hannover zurück und nahm unter anderem auch die Lehre in Chemie wieder auf. Als weiterer Lehrer wird Friedrich GÜNTHER (geb. 1793), der von 1816 – 1818 an der TAS in Hannover Schüler war, genannt. Ab Ostern 1820 trat er seinen Dienst an und unterrichtete neben Anatomie und Botanik auch Chemie. 1847 übernimmt sein Sohn Karl GÜNTHER neben anderen Disziplinen auch den Unterricht in Chemie. Waren bis zu diesem Zeitpunkt die Lehrer im Fach Chemie Tierärzte, die sich durch Studien an anderen Universitäten auf dieses Fach vorbereiteten, so trat im WS 1848/49 der Pharmazeut Karl BEGEMANN (geb. 1815) als Lehrer für Physik, Naturgeschichte und Arzneibereitung seinen Dienst an. In Göttingen (1841/42) studierte Begemann Pharmazie, wo er auch bei dem genialen Chemiker Wöhler Vorlesungen hörte. Den Professorentitel erhielt Begemann 1876. Sein Verdienst war auch die Weiterentwicklung der Apotheke, die er von 1853 an auf eigene Rechnung übernahm. Im Januar 1871 wurde die Organische Chemie als neues Lehrfach eingeführt. Vom WS 1875/76 an wurden die Vorlesungen in Physik und Chemie an das Polytechnikum (heutige Universität) verlegt und Begemann hielt noch ein Kolleg über Medizinische Chemie ab.

(Kopie 1)

Carl Begemann

Nach Beendigung der französischen Besetzung Hannovers kam Hausmann im Herbst 1814 an die dann genannte "Königliche Tierarzneischule (TAS)" in Hannover zurück und nahm unter anderem auch die Lehre in Chemie wieder auf. Als weiterer Lehrer wird Friedrich GÜNTHER (geb. 1793), der von 1816 – 1818 an der TAS in Hannover Schüler war, genannt. Ab Ostern 1820 trat er seinen Dienst an und unterrichtete neben Anatomie und Botanik auch Chemie. 1847 übernimmt sein Sohn Karl GÜNTHER neben anderen Disziplinen auch den Unterricht in Chemie. Waren bis zu diesem Zeitpunkt die Lehrer im Fach Chemie Tierärzte, die sich durch Studien an anderen Universitäten auf dieses Fach vorbereiteten, so trat im WS 1848/49 der Pharmazeut Karl BEGEMANN (geb. 1815) als Lehrer für Physik, Naturgeschichte und Arzneibereitung seinen Dienst an. In Göttingen (1841/42) studierte Begemann Pharmazie, wo er auch bei dem genialen Chemiker Wöhler Vorlesungen hörte. Den Professorentitel erhielt Begemann 1876. Sein Verdienst war auch die Weiterentwicklung der Apotheke, die er von 1853 an auf eigene Rechnung übernahm. Im Januar 1871 wurde die Organische Chemie als neues Lehrfach eingeführt. Vom WS 1875/76 an wurden die Vorlesungen in Physik und Chemie an das Polytechnikum (heutige Universität) verlegt und Begemann hielt noch ein Kolleg über Medizinische Chemie ab.

Friedrich HEEREN

Vom Polytechnikum übernahm Friedrich HEEREN (geb. 1803 – gest. 1885), der 1825 zum Dr. phil. in Göttingen promovierte; die Lehre in Chemie für Veterinärmediziner. Heeren war seit 1831 zweiter Lehrer im technologisch-chemischen Fach am Polytechnikum. Sein Lehrgebiet umfaßte am Polytechnikum Physik und Mineralogie (bis 1853), praktische Chemie (bis 1858, d. h. Arbeiten im Laboratorium und analytische Chemie), theoretische Chemie (1840 bis 1876, d. h. anorganische, organische und technische Chemie (seit 1853). Jedoch bereits zum WS 1878/79 wurde der Unterricht in Chemie an die TAS zurück verlegt und das Fach wurde wieder Begemann übertragen.

Der Unterricht in Chemie an der TiHo spiegelt die Ausbildung in Chemie in Deutschland der damaligen Zeit wider. Die großen Chemiker zu Beginn des 19. Jahrhunderts hielten zwar Vorlesungen, unterrichteten jedoch nicht experimentell. Erst J. v. Liebig gründete 1824 im Wachgebäude einer Gießener Kaserne das "erste deutsche chemische Forschungs- und Lehrinstitut". Vorher allerdings richtete Döbereiner unter Mithilfe von Goethe ein chemisches Unterrichtslaboratorium in Jena ein, die Kunde war jedoch nicht bis zu J. v. Liebig gedrungen. Um den Anforderungen an eine experimentelle Chemie gerecht zu werden trat Begemann in den Sommerferien 1876 eine Reise nach Berlin, Leipzig, Halle und Göttingen an, wo er die dortigen Chemischen Institute und deren Laboratorien besichtigte, da ihm die Errichtung eines derartigen Instituts an der TAS oblag. Zu Michaelis 1879 wurde das neue Chemische Institut fertiggestellt, so daß die Tierärztliche Hochschule dieser Entwicklung folgte.

Carl ARNOLD

 

1880 trat Carl ARNOLD, geb. am 12. März 1853 in Uffenheim als Sohn eines Bayerischen Hofapothekers, im Alter von 27 Jahren seine Tätigkeit an unserer Hochschule an. Mit Arnold beginnt eine neue Ära, denn erstmals vertritt ein Dozent fast nur das Fachgebiet Chemie in Forschung und Lehre und war somit der erste Lehrstuhlinhaber für Chemie. Er leitete ab 1.5.1880 bereits die Chemischen Übungen und wurde als Repetitor für Chemie und Physik eingestellt. Seit 1918 wurden die Repetitoren Oberassistenten genannt. Er besaß eine pharmazeutische Ausbildung und legte 1877 das Lehramtsexamen für Naturwissenschaftler ab. C. Arnold war Assistent bei dem bekannten Ordinarius für Hygiene Max Pettenkofer und auch bei dem Mitbegründer des Periodensystems Julius Lothar Meyer. Seine Doktorarbeit führte er bei dem Altmeister der Anorganischen und Physikalischen Chemie Robert Wilhelm Bunsen in Heidelberg durch. Zunächst war Arnold Repetitor für Chemie und Physik und "Dirigent" des chemischen Laboratoriums. Im Dezember 1883 übernahm Arnold von Begemann verantwortlich die Lehrveranstaltungen in Chemie, weil Begemann schwer erkrankte. Nach dem Tod von Begemann wurde er 1885 zum Dozent für Chemie, Pharmazie und Pharmakognosie berufen und zum Verwalter der Hochschulapotheke bestellt. In dieser Zeit

befaßte sich Arnold mit der Konzeption eines Neubaus der chemischen Laboratorien  und des Hörsaals

des Chemischen Instituts am Bischofsholer Damm, wo er zum Wintersemester 1899 den Hörsaal mit neuem Institutsgebäude in Betrieb genommen hat. Seit 1889 war er Direktor des Chemischen Instituts und als alleiniger

Dozent für Chemie verantwortlich.

Wissenschaftlich beschäftigte er sich mit der Bestimmung von Chlorid, Zucker, Harnstoff, Harnsäure, Alkaloiden und Phosphaten unter physiologischen Bedingungen. Desinfektionsmittel wie Wasserstoffperoxid, Formalin, Ozon, Kresolseifen und Lysol waren ebenfalls Schwerpunkt seiner Arbeit. Er entwickelte Bestimmungsverfahren zur Charakterisierung dieser Wirkstoffe in Handelspräparaten. Arbeiten über Milchinhaltsstoffe, Futtermittelinhaltsstoffe und Untersuchungen zur Lufthygiene in Stallgebäuden rundeten seine wissenschaftliche Arbeit ab. Das "Repititorium der Chemie" war viele Jahre Standardwerk für Veterinärmediziner, Humanmediziner und Pharmazeuten. Das Werk erlebte 16 Auflagen und erschien zuletzt 1923. Sein Buch "Anleitung zur qualitativen, chemischen Analyse anorganischer und organischer Körper sowie zur toxikologisch-chemischen und medizinisch-chemischen Analyse" erschien in fünf Auflagen. Das Buch "Pharmakognosie, pharmazeutisch-chemische Präparate und Rezeptierkunde" erlebte 3 Auflagen. Sein größeres dreibändiges Werk das "Tierärztliche Arzneibuch für Studierende und praktische Tierärzte" hat C. Arnold zusammen mit Prof. Tereg (Professor für Physiologie) herausgegeben. In einer Person vertrat C. Arnold am Anfang mehrere Wissenschaftsdisziplinen, aus denen heute neue Institute der Tierärztlichen Hochschule entstanden sind. Mit Einführung der Rektoratsverfassung wurde Arnold als erster Rektor der Tierärztlichen Hochschule gewählt, nahm die Wahl aufgrund seines vorgerückten Alters und anderweitiger Inanspruchnahme nicht an, so daß Bernard Malkmus (1913 – 1915) als erster Rektor der TiHo das Amt antrat. Vom 30.1.1915 – 1.8.1915 vertrat Arnold den Rektor Malkmus, der zum Kriegsdienst eingezogen wurde.

Arnold widmete sich privat dem Alpinismus. Er war Gründungsmitglied der Sektion Hannover des Deutschen Alpenvereins und hat in Mallnitz (Kärnten) das "Hannoverhaus" mit erbaut. Aus Dankbarkeit wurde nach dem Initiator der touristischen Erschließung der Mallnitzer Bergwelt die "Arnoldhöhe" (2719 m) benannt. Hier wurde in einem Mausoleum auch Arnolds Urne beigesetzt.

Chemisches Institut, nach dem Krieg wiederaufgebaut
Peter-Walter DANCKWORTT

1921 folgte Peter-Walter DANCKWORTT (geb. 30.10.1876, gest. 30.03.1962) einem Ruf an das Chem1ische Institut der Tierärztlichen Hochschule (offizielle Bezeichnung seit 1887). Im gleichen Jahr wurde er zum Ordinarius für Pharmazeutische Chemie an der Universität Greifswald ernannt. P.-W. Danckwortt, Lebensmittelchemiker und Pharmazeut, promovierte 1906 zum Dr. phil. als Schüler von Geheimrat Ernst Beckmann, dem Direktor des Kaiser-Wilhelm-Institutes in Berlin. Seine Habilitation für das Fachgebiet "Pharmazeutische und Nahrungsmittelchemie" erfolgte an der Universität Breslau im Jahre 1912 bei Gadamer. 1930 berief ihn das Vertrauen und die Wertschätzung seiner Kollegen zum Rektor der Tierärztlichen Hochschule. Seit 1931 nahm er die Aufgaben einer Honorarprofessur für Lebensmittelchemie und Toxikologie an der damaligen Technischen Hochschule Hannover wahr.

Das wissenschaftliche Werk von P.-W. Danckwortt beschäftigt sich mit Problemen der

Pharmazeutischen Chemie, Lebensmittelkunde und Toxikologie, wobei er sich besonders als Meister der analytischen Untersuchungstechnik in der Lumineszenzanalyse auswies. 1928 war er der Pionier, der die Verwendung ultravioletter Strahlung bei der Lebensmitteluntersuchung auf die Anwendung von Fluoreszenzreaktionen erweiterte. In der Erforschung und Aufklärung von Tiervergiftungen erwarb sich P.-W. Danckwortt weit über den Kreis seiner Hochschule hinaus Verdienste. Er war Mitautor des Werkes "Handbuch für Lebensmittelchemie" (1933). Sein Buch "Lumineszenz-Analyse im filtrierten ultravioletten Licht" erschien 1964 in der siebten erweiterten Auflage. Das Arbeitsgebiet der Lumineszenzanalyse wird für alle Zeiten mit seinem Namen verbunden bleiben. Fast 3 Jahrzehnte hat Danckwortt in Chemie, Pharmazie, Lebensmittelkunde und Toxikologie an der TiHo eine segensreiche Tätigkeit entfaltet und dem Chemischen Institut den Stempel seiner starken Persönlichkeit aufgedrückt. Erst 1950 legte der bereits 74-Jährige die Verantwortung für Lehrstuhl und Institut in andere Hände.

Alfons Schöberl

Im Wintersemester 1950/1951 übernahm Alfons SCHÖBERL, ein Schüler vom Geheimen Regierungsrat Otto Dimroth, die Leitung des Chemischen Instituts und den Lehrstuhl für Chemie. 1934 habilitierte sich A. Schöberl an der Universität Würzburg. An der Universität Hannover hatte er eine Honorarprofessur für Physiologische Chemie inne. Sein unermüdlicher Einsatz für die Hochschule, seine persönliche Ausstrahlung und die Anerkennung bei den Kollegen führten 1962 zur Wahl als Rektor. Die Chemie der Schwefelverbindungen und die der Proteine und Enzyme waren ein Hauptarbeitsgebiet von A. Schöberl. Mit besonderem Augenmerk widmete er sich den schwefelhaltigen Aminosäuren. Während seine beiden Vorgänger vorwiegend chemisch-analytische Forschungen betrieben, setzte Schöberl Schwerpunkte in der Synthese. Das Anaesthetikum Rompun geht auf seine wissenschaftliche Arbeit zurück. Ebenfalls kann man ihn als einen der Väter der Kalten Dauerwelle bezeichnen. Die Arbeiten über das Färben von Schafwolle, Darstellung von Paracasein und seine Verwertbarkeit zur Erzeugung von Proteinfasern sind Beispiele für die Forschung mit von Tieren stammenden Rohstoffen. Arbeiten über Tiervergiftungen mit Blei und der Lokalisation dieses Elementes in Organen und Geweben von Tieren wurden im letzten Schaffensjahrzehnt durchgeführt. Nach Ablauf des Sommersemesters 1971 beendete Schöberl seine hauptamtliche Tätigkeit als Hochschullehrer.

Peter DECKER

Peter DECKER wurde am 19.04.1916 in Jalta (Krim) als Sohn eines deutschstämmigen Chemikers geboren. Er studierte Chemie in Jena (1925 – 1939) und München (1940) und promovierte bei H. Wieland 1942 mit einer Arbeit über Pteridine. Von 1943 – 1955 arbeitete P. Decker an der II. Medizinischen Klinik an der Universität München. Ab dem 01.07.1955 war er bei Prof. Hans Hill am Physiologischen Institut der TiHo als Akademischer Oberrat tätig , und wurde an das Chemische Institut versetzt, um den Chemieunterricht für die Diplombiologen aufzubauen. Von 1966 bis zu seinem Ruhestand (1981) war Decker am  Chemischen Institut tätig.

P. Decker war ein Wissenschaftler mit vielen Ideen, die ihrer Zeit weit voraus waren. So war er wohl einer der ersten, der die Entstehung des Lebens auf der Erde durch die "Ursuppe" konzipierte; er erhielt für seine Arbeiten über die "Evolution in offenen Systemen" 1974 den  Preis der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Es gibt eine Reihe von Publikationen, die sich mit der Bildung von Kohlenhydraten aus Formaldehyd unter physiologischen Bedingungen befassen. Weitere Arbeitsgebiete waren chromatographische Trennverfahren, insbesondere die Papierchromatographie und die Analyse aromatischer und heterocyclischer
Harninhaltsstoffe. 1960 gelang ihm die Entdeckung des Ruminohepatischen Stickstoffkreislaufes. Sein guter Unterricht für Biologen war mit manchen interessanten Anekdoten gewürzt. Am 17. Mai 1983 verstarb P. Decker im Alter von 68 Jahren.

Harald RÜSSEL

Wie auch P. Decker wurde Harald RÜSSEL zum Wissenschaftlichen Rat und Professor ernannt. Zu dem Lehrstuhlinhaber in Chemie sind damit 2 weitere Professuren mit eigenen Arbeitskreis hinzugetreten. Beides fand noch in der Ära von Schöberl statt.

 Harald Rüssel wurde am 28.09.1928 in Leipzig geboren und studierte Chemie an der Universität in Göttingen von 1949 – 1952. Seine Arbeiten zum Diplom und zur Promotion in Chemie (Thema aus der Komplexchemie) führte er an der Technischen Hochschule in Stuttgart in den Jahren 1952 – 1955 durch. Drei Jahre arbeitete er als Forschungschemiker bei der Griesheim AG und von 1958 – 1962 an der Bundesanstalt für Bodenforschung in Hannover. 1963 begann seine Laufbahn am Chemischen Institut der Tierärztlichen Hochschule als Assistent. Weitere Stationen waren: Akademischer Rat, Oberrat, Wissenschaftlicher Rat und Professor sowie Univ.- Professor.

H. Rüssel bearbeitete Problemstellungen aus der Elementar-, Rückstands- und Umweltanalytik in von Tieren stammenden Matrices. Mit einer Arbeit über Blei-Analytik und der Speicherung des Bleis in der Leber habilitierte er sich für "Analytische Toxikologie". Arbeiten über die gaschromatografische Analytik von Arsen, Fluoriden, Insektiziden und Polychlorierten Biphenylen (PCB´s) folgten und zeigen die Bandbreite des analytischen Wirkens. Ein weiterer Schwerpunkt der analytisch orientierten Arbeiten war die Hochdruckflüssigkeitschromatographie mit Elektrochemischer Detektion (Sulfonamide, Amitrol etc.), die frühzeitig in seiner Forschungsabteilung etabliert wurden. Als Hauptwerk seiner Arbeiten ist das Buch "Rückstandsanalytik von Wirkstoffen in tierischen Proben" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1985) zu nennen. Mit Wirkung zum 1. Oktober 1993 wurde H. Rüssel in den Ruhestand versetzt.

Im veterinärmedizinischen Studium der siebziger Jahre nahm der Chemieunterricht in den ersten zwei Semestern einen breiten Raum ein. Das geschah in der Absicht, eine breite naturwissenschaftlich-chemische Basis zu schaffen als Voraussetzung für das Verständnis der im veterinärmedizinischen Studium nachfolgenden Fächer wie Biochemie, Physiologie, Klinische Chemie, Pharmakologie, Toxikologie und Lebensmittelwissenschaften sowie den facettenreichen klinischen Disziplinen. Dazu wurden die im Chemieunterricht für Veterinärmediziner zu lehrenden stofflichen und mehr theoretischen Gesichtspunkte an ausgewählten Beispielen möglichst praxisbezogen unter Wahrnehmung tiermedizinischer Relevanz behandelt und die zweisemestrig fünfstündige Vorlesung und das dazugehörige Chemische Praktikum möglichst gut aufeinander abgestimmt.

"Familienfoto" aus den 70er Jahren

Im Sommersemester 1977 erhielt G. Seitz einen Ruf auf den Lehrstuhl für Pharmazeutische Chemie an die Philipps-Universität Marburg, dem er im Oktober 1977 als Nachfolger seines akademischen Lehrers Prof. Dr. h.. c. mult. H. Böhme folgte. Dort ist er seitdem erfolgreich in Lehre und Forschung tätig. 1993 belegte er bei einem bundesweiten Wettbewerb der Vorlesungsbewertung "Prüf den Prof" im Studienfach Pharmazie den ersten Platz.

G. Seitz wissenschaftliches Arbeiten verfolgt das Ziel, die synthetische pharmazeutische Chemie methodisch zu erweitern, um damit auch für die Gewinnung moderner Arzneistoffe mit verbesserter Pharmakodynamik und Pharmakokinetik erfolgreich nutzbar zu machen.
Seine wichtigsten frühen Arbeiten lassen sich unter das große Thema der nicht-benzoiden Aromaten fassen: Heterosequifulvalene; Pseudoazulene; Oxo- und Pseudooxokohlenstoffe. Auf letzterem Gebiet hat er auch Erfolge erzielt, die ihn persönlich besonders befriedigt haben, da er ein großer Liebhaber "symmetrischer" Moleküle ist, und zwar insbesondere die Synthese von Tetrathioquadratat (Chem. Ber. 1976, 109, 2208).

Mit dem Weggang von H. Seitz begann für das Chemische Institut eine längere Zeit eines "Interregnums", bedingt durch eine grundlegende bauliche Veränderung, die den neueren Gesichtspunkten des Gesundheitsschutzes Rechnung trug. In diesen Jahren wurde der Unterricht in Chemie für Tierärzte durch die Professoren H. Rüssel und P. Decker durchgeführt. In diese Zeit fällt auch die Etablierung der Biologie als Diplomstudiengang, und auch für diese Studenten wurde der Chemie-Unterricht an der Tierärztlichen Hochschule erteilt.

Gerhard HABERMEHL

1980 erhielt Gerhard HABERMEHL (geb. am 19.02.1931 in Seligenstadt) den Ruf auf den Lehrstuhl für Chemie an der Tierärztlichen Hochschule, seit 1970 hielt er eine Professur für Organische Chemie an der Technischen Hochschule Darmstadt inne. G. Habermehl ist Schüler von Clemens Schöpf, bei dem er über Salamander-Alkaloide promovierte und er habilitierte sich mit röntgenstrukturanalytischen Arbeiten. Sein Forschungsgebiet befaßt sich mit den Salamander- und Froschgiften, Steroiden und Saponinen aus Seesternen und Seegurken, Pigmente aus Bakterien etc., deren erstmalige Strukturaufklärung erarbeitet wurde. Zu den Naturstoffen aus dem Tierreich bildeten pflanzliche Gifte einen weiteren Schwerpunkt, bei denen toxikologische Untersuchungen und die Strukturaufklärung der Toxine erfolgten. Zu den analytisch orientierten Arbeiten wurden zahlreiche Synthesen von Naturstoffen etabliert. Wichtige Verbindungen, die mit dem Namen Habermehl in Verbindung bleiben werden, sind bspw. Pumiliotoxin-C, Samandaridin, Holothurinogenin , Spatulenol und die Miotoxine.

Durch vier Bücher hat Habermehl über seine Hochschule hinaus einen größeren Adressatenkreis erreicht. 1973 kam das Lehrbuch "Röntgenstrukturanalyse organischer Verbindungen" heraus. Die Bücher "Gift-Tiere und ihre Waffen" sowie "Mitteleuropäische Giftpflanzen und ihre Wirkstoffe" erreichten mehrere Auflagen, wobei mit dem Titel "Venomous Animals and Their Toxins" eine weltweite Verbreitung erfolgte. 1992 erschien als Lehrbuch "Naturstoffchemie", welches sich auch an Chemiker, Biologen und Pharmazeuten wendet. Prof. Habermehl ist Ehrenmitglied der Japanischen Pharmazeutischen Gesellschaft. Außerdem war er lange Jahre im Editorial Board des TOXICON vertreten. Im Frühjahr 1996 beendete Habermehl seine aktive Hochschullehrerlaufbahn. Am 30. August 2010 verstarb Prof. Dr. Gerhard Habermehl im Alter von 79 Jahren. Die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover verliert einen herausragenden Wissenschaftler und Hochschullehrer.

Mit Carl ARNOLD, Peter-Walter DANCKWORTT, Alfons SCHÖBERL und Gerhard HABERMEHL sind vier herausragende, gestaltende und in der Chemie für Veterinärmediziner lange Verantwortung tragende Persönlichkeiten zu nennen, die über einen Zeitraum von 116 Jahren die Lehre gestaltet und den Fortschritten der Zeit angepasst haben. Die Angehörigen des Instituts für Lebensmitteltoxikologie und Chemische Analytik werden ihnen ein ehrendes Gedenken bewahren.

Hans Otto HOPPEN

Ab Juli 1985 wurde der Arbeitsbereich "Endokrinologie" von Hans Otto HOPPEN in Nachfolge von P. Decker vertreten und ab 1996 wirkte Prof. Dr. Hoppen als Direktor der Zentrumsabteilung für Chemische Analytik und Endokrinologie. Nach seinem Chemiestudium, das er 1961 in Bonn aufgenommen und 1967 als Diplom-Chemiker abgeschlossen hat, fertigte er bis 1970 im Arbeitskreis von Prof. H. Breuer in Bonn seine Doktorarbeit über den Östrogenmetabolismus an. Nach einer Forschungstätigkeit in der Endokrinologischen Abteilung der Medizinischen Universität zu Lübeck verbrachte er ein Forschungsjahr an der Universität Melbourne (Australien), wo er sich als Post-Doc in der Abteilung Physiologie zum Thema Reproduktion einbrachte. 1978 habilitierte sich Prof. Hoppen in Lübeck auf dem Gebiet der Klinischen Biochemie und wurde 1979 zum Privatdozent ernannt. Schließlich war er von 1980 bis 1983 als Leiter der Forschungsgruppe Brustkrebs am Max-Planck-Institut für Experimentelle Endokrinologie in Hannover tätig, bevor er an die Monash Universität in Melbourne (Australien), Abteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie, wechselte, wo er mit Prof. Carl Wood und Prof. Alan Trounson an einem Projekt über die Endokrinologie der menschlichen In-Vitro-Fertilisation arbeitete. In seiner Funktion als Direktor der Zentrumsabteilung für Chemische Analytik und Endokrinologie forschte Prof. Hoppen zuletzt an Rezeptormechanismen in der reproduktiven Endokrinologie, an endokrin bedingten Dermatosen sowie an Autoimmunendokrinopathien. Auch die Wechselwirkung von Hormonsystemen der Fortpflanzung mit Stoffwechselhormen und die Diagnostik von Erkrankungen des Endokriniums waren Forschungsschwerpunkte seines Arbeitskreises. Nach dem Wintersemester 2006/07 beendete Prof. Dr. Hoppen die Hochschullehrerlaufbahn.

In der Nachfolge von H.A. Rüssel übernahm im September 1994 Waldemar TERNES den Arbeitsbereich "Chemische Analytik" im Zentrum für Lebensmittelwissenschaften. Prof. Dr. Ternes absolvierte nach einer Ausbildung zum Koch und Küchenmeister ein Studium der Lebensmittelchemie an der Universität Hamburg. Während seines Studiums unterrichtete er an Hotelfachschulen im Fach Lebensmitteltechnolgie. Anschließend promovierte er in Analytischer Chemie an der Universität Hannover. An der Universität Bremen und an mehreren Universitäten und Forschungsgesellschaften in Brasilien arbeitete er als Lehrbeauftragter und an Forschungsaufgaben. Mehrere Jahre war er Abteilungsleiter am Institut für Lebensmittelwissenschaft der Universität Hannover, wo er seine Arbeiten zur Habilitation im Fachgebiet Lebensmittelwissenschaft durchführte. 1991 folgte er dem Ruf auf eine Professur für Lebensmittelchemie an der Fachhochschule Lippe in Lemgo. Als Professor für Analytische Chemie am Institut für Lebensmitteltoxikologie und Chemische Analytik befasst er sich vorrangig mit zwei Themengebieten: zum einen mit der Rückstandsanalytik in von Tieren stammenden Matrices und zum anderen mit den funktionellen Eigenschaften der Lebensmittelinhaltsstoffe. Auf dem Gebiet der Rückstandsanalytik werden die Akkumulation und Metabolisation von halogenorganischen Verbindungen (polychlorierte Biphenyle, Toxaphene, polybromierte Diphenylether) und von Schwermetallen untersucht, sowie Tiervergiftungen durch Rodentizide, Herbizide und Schwermetallen. Auf dem zweiten Themengebiet beschäftigt sich sein Arbeitskreis mit der Analytik und Strukturaufklärung natürlich vorkommender Lebensmittelinhaltsstoffe (Gewürzinhaltsstoffe, Vitamine, Eigelbproteine, Fettbegleitstoffe und Aromen) mit funktionellen Eigenschaften. Dabei wird die Metabolisation der Lebensmittelinhaltsstoffen im Körper und in Zellsystemen aufgeklärt. Auch der Zusammenhang zwischen Futtermittelinhaltsstoffen und Fleischqualität wird bewertet. Aktuell liegen die Forschungsschwerpunkte auf der Beschreibung der technofunktionellen Eigenschaften von Eigelbproteinen nach physikalischer Behandlung und Innovationen auf dem Vitaminsektor. So werden zur Zeit die Rolle des Thiamins (Vitamin B1) in Schweinefleisch erforscht und die hochwirksamen Tocotrienole (Vitamin E) analytisch, technologisch sowie physiologisch erfasst. Prof. Dr. Ternes ist Herausgeber von 6 Fach- und Lehrbüchern, darunter das umfangreiche Lexikon der Lebensmittel und der Lebensmittelchemie.

"Familienfoto" des Arbeitskreises "Chemische Analytik" 2006

Das Ziel, den Studierenden den Einstieg in molekulare Strukturen und daraus ableitbaren Abhängigkeiten zu eröffnen, hat seit 1996 zur Einführung der "Instrumentellen Analytik" in den Chemischen Übungen geführt. Die Studierenden beurteilten die Lehrinhalte der Versuche, wie auch den Bezug zum Beruf des Tierarztes zu 75-90 % positiv, wie im TiHo-Anzeiger (Februar 1999, Seite 4 und 5) festgehalten wurde. Die " Chemischen Übungen in Instrumenteller Analytik" sind zu diesem Zeitpunkt die erfogreichste Lehrveranstaltung der Chemie für Veterinärmediziner. Das Studienbarometer zeigt weiterhin an, dass die Studierenden neben den "Arbeitsbedingungen in der Hochschulbibliothek" die "Praktischen Übungen" als positiv erachten (TiHo-Anzeiger, Oktober 1998.

 

1997 erfolgte die Integration des Chemischen Instituts in das Zentrum für Lebensmittelwissenschaften und die Umbennenung in "Zentrumsabteilung ür Chemische Analytik und Endokrinologie".

 

"Familienfoto" des Arbeitskreises "Chemische Analytik" 2007

In 2007 bildet die Chemie mit dem „Institut für Lebensmitteltoxikologie und Chemische Analytik“ eine neue Einheit. Unverändert werden jedoch die internationalen Kontakte z. B. nach Brasilien, Südafrika und Madagaskar, Japan und Australien, aber auch innerhalb Europas, wie z. B. nach Polen, Finnland und Spanien ständig ausgebaut und gepflegt.

Das Bild des Wirkens der Lehrstuhlinhaber in den chemischen Wissenschaftdiziplinen ist geprägt vom interdiziplinären Wissenstransfer, wobei besonders wissenschaftliche Fach- und Lehrbücher ein Medium darstellen, mit denen den Studierenden der Veterinärmedizin die Bedeutung der Chemie nähergebracht wird.

"Familienfoto" des Arbeitskreises "Chemische Analytik" 2008

2008 kam in der dritten Auflage das weit verbreitete und renommierte Lehrbuch „Naturstoffchemie“ im Springer Verlag heraus. Diesem von Gerhard G. Habermehl geprägtem Werk konnte durch die Einbindung der lebensmittelchemischen Aspekte durch Waldemar Ternes neue zeitgemäße Impulse verliehen werden.

 

Seit mehr als 25 Jahren liegt der Technologietransfer der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover in den Händen der Chemie. Prof. Dr. Habermehl und Prof. Dr. Ternes sind  als Technologietransferbeauftragte an der  Organisation und Durchführung von Messen, zum Beispiel EuroTier und Biotechnica beteiligt.

"Familienfoto" des Arbeitskreises "Chemische Analytik" 2009
"Familienfoto" des Arbeitskreises "Chemische Analytik" 2010
"Familienfoto" des Arbeitskreises "Chemische Analytik" 2012
"Familienfoto" des Arbeitskreises "Chemische Analytik" 2013
"Familienfoto" des Arbeitskreises "Chemische Analytik" 2014
"Familienfoto" des Arbeitskreises "Chemische Analytik" 2015
Leitung des Instituts
Prof. Dr. Pablo Steinberg
Tel.:+49 511 856-7601
Fax.:+49 511 856-7409
Zentrales Sekretariat
Ulrike Oberjatzas
Tel.:+49 511 856-7601
Fax.:+49 511 856-7409
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