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Pressemitteilungen 2016

22.11.2016
Hühnerfrikassee vom Zweinutzungshuhn

Am 23. November servieren die hannoverschen Mensen ein Geflügelgericht mit Tieren aus einem TiHo-Forschungsprojekt


In den Mensen des Studentenwerks Hannover steht am Mittwoch, den 23. November 2016, Hühnerfrikassee auf dem Speiseplan. Das Besondere: Die Tiere stammen aus einem Forschungsprojekt der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo), in dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an einem neuen Konzept für die Geflügelhaltung arbeiten.

 

Im Zentrum des Forschungsprojekts steht das sogenannte Zweinutzungshuhn – eine Hühnerlinie, die als Legehenne und als Masttier eingesetzt werden soll. Um Eier und Fleisch zu einem möglichst günstigen Preis anbieten zu können, werden Hühner seit vielen Jahren für einen bestimmten Zweck gezüchtet: Ziel ist, dass sie entweder besonders viele Eier legen oder besonders viel Fleisch ansetzen. Masthühner sind darauf gezüchtet, in möglichst kurzer Zeit Gewicht zuzulegen und das Futter möglichst effizient zu verwerten. Das Zuchtziel bei den Hennen ist eine möglichst gut Legeleistung: Knapp 300 Eier legen sie durchschnittlich pro Jahr. Da die Hähne der Legehennenlinien als Masthähnchen ungeeignet sind und auch keine Eier legen, werden die männlichen Küken bisher kurz nach dem Schlupf aussortiert und getötet. Um diese Praxis zu unterbinden, wird nach Alternativen gesucht. Eine Lösung könnte das Zweinutzungshuhn sein: Die Hennen legen bei einem vertretbaren Futteraufwand noch viele Eier und gleichzeitig können die Hähne als „Hähnchen“ vermarktet werden, sodass sie nicht als Eintagsküken getötet werden müssen.

 

Die TiHo und das Studentenwerk kooperieren in diesem Projekt mit dem Ziel, die Akzeptanz des Zweinutzungshuhns auf dem Markt zu testen: In einigen Mensen führen die Wissenschaftler eine Gästebefragung durch. Da die Legehennen pro Jahr etwa 50 Eier weniger legen, die zudem auch noch kleiner sind, und die Masthähnchen ein geringeres Gewicht bei einer längeren Mastdauer haben, bedeutet das Konzept für die Landwirte auf den ersten Blick wirtschaftliche Einbußen. Hier ist der Verbraucher gefragt: Mehr Tierschutz kostet auch mehr Geld.

 

Das Töten der Eintagsküken, aber auch das Kürzen der Schnäbel und der Antibiotikaeinsatz – die Geflügelhaltung steht an verschiedenen Stellen in der Kritik. Mit dem neuen Konzept wollen die Wissenschaftler an mehreren Stellschrauben drehen. Dafür vergleichen sie das Zweinutzungshuhn auf dem Lehr- und Forschungsgut der TiHo in Ruthe bei Sarstedt mit einer konventionellen Legehennenlinie, deren Tiere leichter sind, aber auch mehr Eier legen. Sie prüfen im Laufe des Projektes verschiedene Gesundheitsaspekte bei den Tieren, eine attraktivere Stallstrukturierung oder den Einfluss von Beschäftigungsmaterial auf das Tierverhalten. Zusätzlich zum Verzicht auf das Töten der männlichen Küken werden auch die Schnäbel der Hennen nicht mehr gekürzt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die ruhigeren Zweinutzungshühner sich gegenseitig weniger bepicken und Verletzungen zufügen.

 

Ein weiteres häufiges Problem bei konventionellen Legehennenlinien sind Brustbeindeformationen und -brüche. Sie treten vor allem in alternativen Haltungssystemen mit Sitzstangen auf verschiedenen Ebenen auf. Solche Schäden sind beim Nutzgeflügel in der Regel multifaktoriell. Nur durch das Zusammenwirken haltungs- und fütterungsbedingter Faktoren mit dem genetischen Potenzial der Tiere, Stress zu kompensieren und Erkrankungen abzuwehren sowie einer guten Hygiene können tierschutzrelevanten Probleme vermieden werden.

 

Die Masthähne werden ebenfalls in Bodenhaltung gehalten – in einem zweigeteilten Stall, sodass die Zweinutzungshühner von den Hähnen der konventionellen Legelinie, die als Vergleichstiere fungieren, getrennt sind. Neben Sitzstangen haben die Masthähne Sprungtische und Strohballen. Da das Zweinutzungshuhn langsamer wächst als Tiere konventioneller Mastlinien, ist die Mastdauer deutlich länger und verdoppelt sich nahezu. Die Dualhähne wiegen nach 63 Masttagen etwa zwei Kilogramm. Herkömmliche Mastlinien werden nach etwa 32 bis 42 Tagen mit etwa 2,5 Kilogramm geschlachtet. Bei konventionellen Mastlinien kann das schnelle Wachstum zu Herzkreislaufproblemen und anderen gesundheitlichen Problemen führen. Die Projektpartner gehen außerdem davon aus, dass das neue Konzept für die Tiere weniger Stress bedeutet – für die Legehennen genau wie für die Masthähne. In Kombination mit entsprechenden Prophylaxestrategien erwarten sie, dass die Hühner gesünder sind und weniger oder keine Medikamente benötigen.

 

Anfang dieses Jahres gab es schon mal eine gemeinsame Aktion des Studentenwerks Hannover und der TiHo: Im Februar boten die hannoverschen Mensen halbe Hähnchen aus dem Forschungsprojekt an.

 

Kontakt

Prof. Dr. Silke Rautenschlein

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Klinik für Geflügel

Tel.: +49 511 953-8779

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Kontakt
Sonja von Brethorst
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